Ohne Worte

Zunächst: Ihr habt lange nichts mehr von mir gehört. Das liegt daran, dass mich mein Privatleben in letzter Zeit sehr auf Trab hält und einige (positive) Veränderungen anstehen. Deshalb war schon vor der Saison klar, dass ich meine Auswärtsdauerkarte abgeben und nur zu ausgewählten Spielen fahren würde. Dass es dann bis zum heutigen Tage nur zwei (!) sind, ist auch dem Spielplan geschuldet.

Aber wo ich unbedingt hin wollte, ist Sandhausen. Für mich ist das eines der Highlights der Saison, wobei ich nicht mal genau sagen kann, woher das kommt. Dass die Anreise super bequem und für meine Verhältnisse auch kurz ist, hat sicher auch einen Anteil, aber auch dieses provinziell-beschauliche finde ich einfach nett. Und so machte ich mich auf nach Mannheim, wo ich Teil 1 der Bezugsgruppe und meine Karte einsammelte und wo wir ganz zufällig auch Teil 2 der Bezugsgruppe in die Arme liefen. Wozu sich verabreden, wenn es so viel besser klappt? Am Bahnhof in die bereitgestellten Busse eingestiegen und ganz entspannt zum Stadion gefahren worden. Ohne nennenswerte Polizeipräsenz. Muss man auch mal hervorheben. Und weil ich mich so auf das erste Auswärtsspiel seit ewigen Zeiten gefreut habe, sind wir dann auch zeitnah ins Stadion. Über einen kurzen Umweg zum Essensstand. Die Verkäuferin war etwas verpeilt: Der junge Mann vor mir wurde schon gefragt, ob er Pommes mit Pommes wolle. Mit Mayo, ja. So fragte sie mich anschließend ob ich die Wurst mit ähm… und dann kam erst mal nichts. Mit Senf. Genau, das gelbe Zeugs da. Die Lacher hatte sie jedenfalls auf ihrer Seite. Aber jeder wurde versorgt und wir gingen gestärkt in den Block, wo wir zufällig Teil 3 der Bezugsgruppe trafen. Spätestens jetzt hätte uns klar sein müssen, dass dieses Glück bald erschöpft sein müsste, aber ich war immer noch frohen Mutes, weil ich endlich wieder mal ein Stadion von innen sehen durfte. Die wichtigste Nachricht kam von daheim: Boll spielt wieder! Ach nee, doch nicht. Avevor spielt mit der Nr. 17, weil seine eigenen Trikots den weiten und beschwerlichen Weg nach Sandhausen nicht antreten wollten. Einmal mit Profis…

Das Spiel beginnt und es ist noch grausamer als ich es mir vorgestellt habe. Dazu sei gesagt, dass ich es in letzter Zeit auch nicht immer geschafft habe, am Fernseher dem magischen FC beizuwohnen. Ich hatte keinen Zauberfußball erwartet, aber dass es so schlimm ist… Der ballführende Spieler ist bei uns die ärmste Sau. Denn er will ihn schnellstmöglich loswerden und kein anderer will ihn haben. Spielt er doch einen Pass, landet er mit großer Wahrscheinlichkeit entweder beim Gegner oder im Nirgendwo. Die Spieler sind hochgradig verunsichert und bekommen – Verzeihung – nichts auf die Reihe. Man hat das Gefühl, die sehen sich gerade alle zum ersten Mal. So schenken wir uns dann auch die Gegentore quasi selbst ein und es ist wie immer Robin Himmelmann zu verdanken, dass es nicht noch mehr werden. Überhaupt ist er der einzige, der Normalform erreicht. Was ist mit den anderen los? Kann man von Mai bis August so das Fußballspielen verlernen? Sind die alle geblitzdingst worden? Ich kann es mir nicht erklären und die Umstehenden ebenso wenig. Die Körpersprache nach dem 0:1 spricht Bände, dass Schnecke und Lasse sich nach dem 0:2 über den halben Platz anschreien, ist immerhin mal eine Reaktion.

Die kommt auch von USP. In der Halbzeit gibt es die Ansage, dass sie den Support einstellen, wenn von der Mannschaft nichts kommt. Sie wollen ein Zeichen setzen, einen Impuls geben. Und das mittenhinein in unsere Diskussion, was man machen könnte, wenn man nicht – wie üblich – den Trainer entlassen möchte. Die Vorschläge reichen, von Essen gehen, Minigolf bis hin zu Videoanalyse von Rosamunde Pilcher Filmen. Oder so ähnlich. Mir ist es eigentlich ziemlich egal, was sie machen, aber so kann es nicht weitergehen auf dem Platz. Das ist keine Mannschaft, sondern 11 Jungs, von denen irgendwie jeder mit sich selbst beschäftigt zu sein scheint. Deshalb ist das mit dem Support einstellen so eine Sache. Ich kann es immer verstehen, wenn eine Mannschaft nicht will bzw. nicht das zeigt was sie kann. Ich befürchte aber einfach, unsere Jungs KÖNNEN es momentan wirklich nicht besser. USP macht jedenfalls zur 60. Minute Feierabend und man sieht der Mannschaft und Ewald an, wie hart sie das trifft, als sie vor den fast leeren Block treten.

Und weil es nicht schlimm genug ist, humpelt Schnecke am Bahnhof auf Krücken an uns vorbei. Sein Lächeln auf unser synchron-entsetztes „Scheiße“, kann ich beim besten Willen nicht als aufmunternd, sondern eher als gequält bezeichnen. Ein weiterer Ausfall scheint wahrscheinlich. Wobei – und das meine ich nicht böse – du gerade aufstellen kannst, wen du willst, es klappt nicht.

Während ich vor 2 Jahren zu diesem Zeitpunkt keinerlei Angst um den Klassenerhalt hatte, sieht das dieses Mal leider ganz anders aus. Damals brachte der Trainerwechsel hin zu Ewald die Wende und ich hoffe, dass wir dieses Mal die Wende mit Ewald schaffen.

Leider kommt die Fortuna – die ja gerne mal die Wende bei uns einläutet – erst Mitte November zu uns. Aber da bin ich auch wieder da. Und da der bisher einzige Sieg auch mein einziges Heimspiel war, bin ich einfach vorsichtig optimistisch.

Denn ganz egal, was auch geschieht…

 

Es schrieben schon (jaja, setzt mich ruhig unter Druck. Ich mag das):

Umdichten

https://couchgepoebel.wordpress.com/2016/10/23/es-ist-an-der-zeit-schreiend-im-kreis-zu-rennen/

Viele letzte Male oder auch „Das war’s!“

So viele letzte Male. Vorläufige und endgültige, freiwillige und unfreiwillige. Aber bevor wir zum emotionalen Teil dieses Beitrags kommen, fangen wir mit den Fakten an:

Ich hab mal wieder kaum geschlafen in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Nicht wegen der Aufregung, sondern aus Angst den Zug zu verpassen. Hab ich aber nicht. Und der war sogar pünktlich, wenn auch aufgrund der Pfingstferien randvoll. Dafür gab es persönlichen Abholservice und Begleitung zum Hotel. Und während der Rest vor der Gegengerade stand, genossen der Herr Wombat und ich das erste Bier des Tages ganz gemütlich im Hotelzimmer. Diese Pauli-Eventfans werden halt auch immer dekadenter. Trotzdem hat es noch für ein kurzes Treffen mit der Bezugsgruppe gereicht. Danach gings ab ins Stadion, wo erstmal festgestellt wurde, dass es kein Glitzerkonfetti gab. Normalerweise beschweren wir uns ja immer, wenn es welches gibt, aber so zum Saisonausklang. Tja, wie man es macht, macht man es verkehrt. Wir hätten aber eh keine Hand frei gehabt, da es ja eine Geburtstagschoreo gab. Die hätte allerdings ein bisschen besser organisiert sein dürfen. Denn zwei Minuten vor Einlaufen die Zettel erst zu verteilen, war eher knapp bemessen. Dafür wurde aus denen später wunderschöne Rasenkunst. Die Interpretation überlasse ich euch selbst.

IMG-20160515-WA0000

Davor gab es noch die Spielerverabschiedung, für die mir extra 3 Packungen Taschentücher gereicht wurden. Ich hab kein einziges gebraucht, denn was mein Highlight hätte werden sollen, war gelinde gesagt der Tiefpunkt des ganzen Tages. Diese Verabschiedung war eine Frechheit! Und zwar für alle 7 Jungs. Nicht nur, dass die Verabschiedung von Yannick Deichmann, Andrej Startsev und Okan Kurt völlig ohne Ankündigung erfolgte, sie war dermaßen lieblos, dass ich mich frage, wer das verbrochen hat. Es klang wie „aus dem Kicker Sonderheft“ abgelesen (Danke Richard für dieses treffende Zitat). Keine persönliche Geschichte, kein Wort zu viel. Ich hätte zu jedem spontan 3 persönlichere Sätze sagen können, als bei der Verabschiedung gefallen sind. Somit blieben meine Augen trocken, dafür war der Hals dick.

Somit vergaß ich gleich mit Spielbeginn die 10 Minuten Regel (die ersten 10 Minuten jeder Halbzeit darf ich Lenny nicht anmotzen). Aber da der Erfinder dieser Regel gleich neben mir stand, durfte ich beim letzten Spiel 90 Minuten „alles geben“. Ich hatte kaum den Mund wieder zu, da klingelte es. Leider auf der falschen Seite. Auf Twitter hatte ich kurz vorher noch eine Statistik gelesen, dass wir nach Rückstand quasi nie gewinnen. Das läuft heute ja richtig gut, dachte ich. Bis Ryo Miyaichi sozusagen postwendend ausglich. Habt ihr euch auch gefragt, was gewesen wäre, wenn er die ganze Saison hätte spielen können? Nicht auszudenken. Hätte, hätte, Fahrradkette. Die Partie war jedenfalls ein munteres Spielchen, ein würdiges Saisonabschlussspiel. Und dann kam mein persönliches Highlight doch noch: Ein Lenny-Tor! Wenn ich im Stadion bin. Hatte ich mir im letzten Beitrag ja gewünscht und manchmal (viel zu selten!) hört er ja auf mich. Ich hab mich gefreut und war auch ein bisschen stolz, aber für Taschentücher war trotzdem kein Bedarf. Überhaupt war es ein Spiel in dem ich absolut Spaß hatte. 7 Tore sehe ich ja auch eher selten. Und was für Besondere: Das schöne zweite Tor von Ryo, das reingestolperte Abschiedstor von Basti Maier und das letzte von Buchti. Kann es sein, dass der immer im letzten Spiel noch einmal trifft? Endstand jedenfalls 5:2. Ein Abwärtstrend wie der magischefc hier feststellt:

Und dann kam die Schlussrunde. Und auch das hat mich nicht überzeugt. Die Mannschaft eingepfercht zwischen hunderten Menschen (Wer waren die eigentlich? Hätte man gerne mal erzählen dürfen) hinter dem Banner, welches auch nicht jedermanns Geschmack war. Ich fands lustig, die Bezugsgruppe ließ es eher achselzuckend zurück. Auch nach der Google-Suche und der Info, dass es ein Zitat von Horst Hrubesch war. Insgesamt war mir das alles zu kühl und unemotional und ich bin absolut froh, dass ich mich vor zwei Wochen beim Training persönlich von Lenny verabschiedt habe. Inklusive Autogramm, Lächeln und drei zusammenhängenden Sätzen. Sowohl von mir, als auch von ihm. Das war für mich der Abschied und nicht am Sonntag im Stadion. Zum Glück, denn wie gesagt, das fand ich einfach nur schrecklich.

Danach wie immer Domschänke und anschließend Essen. Mit so vielen Leuten gar nicht so einfach. Zu meinem geliebten Inder, den ich nur angeschickert aussprechen kann, wollten wir dieses Mal nicht und so liefen wir etwas ziellos durchs Viertel und verwirrten damit den noch zurückgebliebenen Rest bzw. deren Informant. Am Schluss landeten wir beim Italiener, der Gabi doch tatsächlich ein Mineralwasser statt einem Bier andrehen wollte. Nach diesem Fauxpas wurde es aber doch noch ein runder Abend bei dem schon wieder über die neue Saison gefachsimpelt wurde.

Nach einem Absacker bei Brigitte (um genau zu sein vor der Tür von Brigitte), landeten der Wombat und ich wieder dort, wo der Tag angefangen hatte: Im Hotel. Dieses Mal gab es Kaffee und Schokolade bevor er mit dem Bus nach Hause fuhr und ich selig in die Matratze fuhr um am nächsten Tag wieder nach München zu fahren, wo es – natürlich – regnete. Wie eigentlich immer, wenn ich aus Hamburg komme. Vermutlich um mir den Abschied nicht so schwer zu machen.

Um den Faden von oben zum Thema „letzte Male“ noch Mal aufzugreifen: Es war für mich bis August (voraussichtlich) die letzte Fahrt nach Hamburg, das letzte Spiel der Saison, das letzte Mal Bezugsgruppe (schnief), das letzte Mal Lenny beim Aufwärmen zu sehen, das letzte Mal sein Trikot tragen. Heute selbiges das letzte Mal waschen, bevor es für länger (ein Jahr „Trauerzeit“ scheint mir angemessen) in den Schrank wandert. Das letzte Tor in braun-weiß.

Aber dafür wird es ab August unzählige erste Male geben. Darauf freue ich mich. Aber jetzt hab ich erstmal über 2 Monate Pause. Und zwar verdient wie ich finde.

Kommt gut durch den Sommer.

Bis zur neuen Saison

Forza Sankt Pauli

Noch einen kleinen Nachtrag für die Statistik Freunde unter euch:

Persönliche Saisonstatistik:

27 Spiele insgesamt, davon 20 FCSP-Spiele, 11 zuhause und 9 auswärts

12 Siege, 5 Unentschieden, 10 Niederlagen

Zuhause: 6 Siege, 2 Unentschieden, 3 Niederlagen

Auswärts: 3 Siege, 2 Unentschieden, 4 Niederlagen

Persönliche Lenny-Statistik:

107 Liga-Spiele, davon 50 unter meiner Aufsicht

18 Tore, davon immerhin 8 während meiner Anwesenheit

10 Assists, davon 8, wenn ich im Stadion war

 

The long goodbye

Dieser Beitrag wird der Persönlichste, den ich je geschrieben habe. Und es wird ein Abschied. Mein Abschied. Von „meinem“ Jungen. Dreieinhalb Jahre habe ich alles mitgemacht (inklusive Verletzungen, 4 Tore Spielen und Mallorca-Eskapaden) und jetzt lässt er mich hier sitzen und fühlt sich zu Höherem berufen (wenn Werder es denn dann hinbekommt die Klasse zu halten).

Eigentlich wusste ich es schon zu Saisonbeginn. Der Vertrag lief aus und irgendwie war mir klar, dass das sein letztes Jahr in braun-weiß werden würde. Als dann die Gerüchte um Werder Bremen aufkamen, war es logisch. Sein Herzensverein. Dort ist er fußballerisch aufgewachsen, dort hat er schon mal (kurzzeitig) Bundesligaluft schnuppern dürfen. Wir hatten ab da keine Chance mehr ihn zu halten. Schon gar nicht nach dem Düsseldorf Spiel. Ich war nicht im Stadion. Wer unsere gemeinsame Statistik kennt, weiß, dass das auch besser so war. Danach hab ich angefangen, Abschied zu nehmen, noch ein Trikot beflocken zu lassen und jedes Spiel zu genießen. Was nicht heißt, dass ich nicht weiterhin motze. Es gibt Tage, da treibt er mich fast in den Wahnsinn. Und trotzdem kann ich ihm nicht böse sein. Niemals würden mir Worte wie „Verräter“ oder „Söldner“ in den Sinn kommen. Fußballer wechseln nun mal den Verein. Und natürlich wechseln sie in die Bundesliga oder ins Ausland um mehr Geld zu verdienen. Macht ihr das in eurem Job nicht auch so? „Aber der wird sich in der Bundesliga niemals durchsetzen.“ Ja und? Es ist sein Leben, seine Entscheidung und die haben wir alle zu respektieren.

Auch wenn es mir manchmal das Herz bricht. Mal mehr, mal weniger, aber es ist nicht so einfach wie es aussieht. Fast 4 „gemeinsame“ Jahre ist doch recht lange. Und so sehr ich mich für ihn freue und es nachvollziehen kann, so sehr tut es mir weh. Der Abschied auf Raten fällt mir unheimlich schwer und da werden noch viele Tränen fließen bis zum 15. Mai. Und wenn wir ehrlich sind auch danach.

Aber wie kam es eigentlich dazu, dass ich jetzt hier sitze und Abschied nehme, von einem Kerl mit dem ich (wenn es hoch kommt) 10 Sätze gewechselt habe? Dazu muss man wissen, dass ich generell ein Typ bin, der auf Lieblingsspieler „abfährt“. Wobei die Sportart da egal ist. In meiner „Sammlung“ finden sich Fußballer, Skispringer, Rennfahrer, Snooker-Spieler, Skifahrer, Radfahrer, etc. Könnte ich von meiner Mama haben, die eine ähnliche Sammlung pflegt, wenn auch mit völlig anderen Typen. Mein Lieblingsspieler beim FCSP war in meiner ersten „aktiven“ Saison Daniel Ginczek. Und da klar war, dass er uns nach dem einen Jahr Leihe wieder verlassen würde, brauchte ich „Ersatz“. Da hat sich Lenny quasi angeboten. Denn bei Fußballern „wildere“ ich eher in der Offensivabteilung. Und – auch das Kriterium erfüllt(e) Lenny leider – ich nehme gerne die Ungeliebten. Wer nicht weiß, was ich meine, kann gerne den Faden im Forum lesen, ich hab das aus Selbstschutz irgendwann aufgegeben. Lange Rede, kurzer Sinn: Lenny wurde kurzerhand zu „meinem“ Jungen erklärt und fortan gegen sämtliche böse Reden verteidigt. Immer schön durch die rosarote Brille. Und doch gibt es vermutlich kein kritischeres Fangirl als mich. Denn ich will, dass meine Jungs es allen zeigen. Bei Lenny hat das wirklich lange gedauert und mich öfter Nerven und Stimme gekostet, aber am Schluss bekommt er – hoffentlich – die Chance es in der Bundesliga zu versuchen. Ich bin zugegebenermaßen auch skeptisch, aber er hat mich des Öfteren überrascht, warum sollte er es also nicht wieder tun?

Für mich wäre ein Wechsel in der Winterpause dennoch einfacher gewesen. So wird es von Tag zu Tag schlimmer. Jeden Abend der Blick auf seine Trikots, die an meiner Schlafzimmerwand hängen. Und morgens im Büro lächelt dich der Kerl vom Desktophintergrund an. „Geh weg und lass mich in Ruhe“, möchte ich ihn anknurren, aber dann fällt mir ein, dass er genau das demnächst tun wird. Also dann doch lieber weiter angelächelt werden.

Und eigentlich noch an 3 Spieltagen Abschied nehmen. Auf Raten. Aber er ist verletzt. Daher ist meine größte Sorge momentan, ihn nie wieder im Trikot des magischen FCs spielen zu sehen. Dennoch habe ich noch einen (wahrscheinlich aus mehreren Gründen realitätsfernen) Wunsch: Ein Tor, wenn ich anwesend bin. Nur ein klitzekleines.

Irgendwie werde ich den 15. Mai schon überstehen. Und ins Weserstadion wollte  ich eh mal wieder. So schnell wird Lenny mich nicht los.

Jetzt bleibt mir nur zu sagen: Danke Lenny für 4 wunderbare, komplizierte, tränenreiche, freudestrahlende und stolze Jahre. Machs gut und vergiss nicht, was du bei uns gelernt hast, weder auf noch neben dem Platz.

You’ll never walk alone, mein Junge!

 

 

Von verlorenen Geldbeuteln und gewonnenen Spielen

Für das letzte gemeinsame Doppelfußballwochenende mit meinem Freund hatte ich mir was Besonderes gewünscht. Wurde es dann auch, allerdings anders als gedacht.

Da ich nicht Samstag um 4 Uhr früh von München aus los wollte, fuhren wir gemeinsam von Nürnberg. Die Schwiegermama in spe war so lieb uns zum Bahnhof zu bringen und mich daran zu erinnern, dass ich ja ausnahmsweise ein Papier- und kein Handyticket hatte, welches man vielleicht mitnehmen sollte. Also mal wieder ein bisschen Stress und Hektik vor der Abfahrt, aber immer noch genug Zeit um beim Bäcker was zu essen zu kaufen, wenn, ja wenn man den Geldbeutel finden würde. Der war aber weg. Und mit ihm sowohl die Bahncard, als auch der Ausweis als auch die Karten fürs Spiel. Man muss meinem Freund ein großes Kompliment für die Ruhe machen, die er immer noch hatte, als ich ihm das mitteilte. Nach 5 minütiger Beratungspause und einem kurzen Bargeldcheck (seines logischerweise, meines war ja im verschollenen Geldbeutel), stiegen wir dann doch in den Zug. Kurz der Schaffnerin die Situation erklärt und offensichtlich ein nettes Team erwischt, denn sowohl sie als auch ihr Kollege winkten nur ab. „Keine Bahncard? Passt scho.“ Puh! Erst Mal durchatmen. Und dann morgens um 7 die Bezugsgruppe anhauen, wer noch Karten übrig hat. Wie sich herausstellen sollte, war das am Samstag wohl allgemein kein Problem, denn es wimmelte quasi von Kartenangeboten. Trotzdem liebe bgsp, vielen herzlichen Dank für eure Unterstützung, es ist unheimlich schön zu sehen, dass man sich auf euch verlassen kann!

Um für die Rückfahrt gerüstet zu sein, wollten wir vorab im Reisezentrum am Hauptbahnhof klären, was man denn nun macht. Aber die Information der guten Frau am Schalter, war so unhilfreich wie falsch. „Das gibt dann eine Fahrpreisnacherhebung, die müssen Sie nicht gleich bezahlen.“ Um es vorweg zu nehmen, falls ihr auch mal in der Situation seid: Nicht ohne Ausweis! Ohne Ausweis entweder direkt im Zug bezahlen (könnt ihr nur hoffen, dass ihr jemanden habt, der Geld dabei hat) oder aber Polizei, aussteigen, Personalienfeststellung. Aber bevor wir uns diesem Thema näher widmen konnten, kam ja noch das Spiel.

Da ich noch sämtliche Karten einsammeln musste und noch „alte, senile, aber ein bisschen liebenswerte“ Männer (eigentlich nur einer, wenngleich die Beschreibung auch auf andere zutreffen könnte) zu begrüßen hatte, fiel die VordemSpiel-Zeit etwas kürzer aus. Und als es dann auch noch anfing zu nieseln, machte sich der erste Teil der Bezugsgruppe schon mal auf ins Stadion. Hätte aber auch noch ne halbe Stunde später gereicht, denn in unserer Ecke herrschte gähnende Leere.

20160416_122540.jpg

Das erklärt auch warum es noch so viele Karten gab. Unsere (nervigen) Nebensteher waren dieses Mal komplett zuhause geblieben. Somit bekamen die neuen Nachbarn das Glitzerkonfetti ab. Die Aufstellung überraschend ohne Lenny und noch überraschender hat es mir recht wenig ausgemacht. Kann man schon mal für die neue Saison üben. Üben sollten auch die Bochumer Fans nochmal. Man weiß nicht so wirklich, was das unter der Blockfahne hätte werden sollen, aber so gehörte das wohl eher nicht. Und dann ging es mit „Aux Armes“ los. Dachten wir. Aber die Süd wollte zunächst irgendwie nicht. Jedenfalls nicht mit dem Rest des Stadions. Jetzt kann man natürlich sagen, dass die ja nicht die Animateure sind und wir den Clubtanz dann nur nachmachen, aber ich hielt das bisher immer für ein ungeschriebenes Gesetz, dass man mit „Aux Armes“ anfängt und vorher keiner was anderes macht. Es war auf jeden Fall alles etwas holprig und so richtig aufgelöst hat sich das eigentlich auch erst nach dem ersten Tor. Dann allerdings war es endlich mal wieder laut. So soll das die letzten beiden Heimspiel auch sein.

Fafa Picault, 3 Torschüsse, 2 Treffer. Im Überschwang der Gefühle, ließ ich mich sogar zu diesem Tweet hinreißen:

Der wird mir wohl noch um die Ohren fliegen, aber ich war am Samstag ein kleines bisschen verliebt in Fafa. Weniger glücklich war ich mit Basti Maier, der meinen einzigen Tobsuchtsanfall abbekam – und der hatte sich gewaschen. So ein großes Stadion, wo die Spieler keine einzelnen Zwischenrufe hören, hat schon was für sich. Wenn man der Presse Glauben schenken darf, wird es aber der letzte gewesen sein, denn Herr Maier verlässt uns wohl Richtung Hannover. Es gibt Wechsel, die muss ich nicht verstehen.

Wir hatten nicht nur einen Heimsieg zu feiern, sondern auch einen Geburtstag. Oder eigentlich zwei. Danke lieber @unverlierbar für das Bier. Das war ein sehr gelungener Abschluss. Und Greta möge mir verzeihen, dass ich sie – unabsichtlich – mit Pommes beworfen habe.

Es ist Angerichtet. (Bud war aus)

A photo posted by Joe Meyer (@unverlierbar) on

Aber für mich stand ja noch die spannende Rückfahrt an. Auch hier wieder einen Schaffner erwischt, der beide Augen zugedrückt hat (und dessen Lesegerät nicht ging – lobet und preiset den Technikgott). So kamen wir nach unspektakulärer Rückfahrt wieder in Fürth an – und siehe da, wen ich im Fußraum begrüßen durfte:

Das Wochenende perfekte machte am Sonntag der Heimsieg der Spielvereinigung und somit gab es mal wieder einen 6 Punkte Spieltag.

Dass der FCSP und die SpVGG als Erst- und Zweitverein gut zusammenpassen, bewies dann auch mein Fürther Lieblingsvorsänger:

Meine Kleeblattsaison ist hiermit mit einem Sieg beendet, für den magischen FC hätte ich noch drei Mal drei Punkte eingeplant. Wobei in Düsseldorf gerne gewonnen werden darf, nur halt eben ohne mich. Daher gibt es den nächsten Bericht wohl erst in zwei Wochen.

Bis dahin: Forza FC Sankt Pauli!

 

Es schrieben auch:

https://kleinertod.wordpress.com/2016/04/18/2-fuer-3-fuer-4-fcsp-heimsieg-gegen-den-vfl-bochum/

http://niceguys.blogsport.de/2016/04/17/senfdazu19/

Drei Punkte für Klaus

Fernsehgelder, wir brauchen Fernsehgelder

Freiburg. „Der dümmste Gästeblock der Welt.“, wie mir immer wieder mitgeteilt wurde. Aber auch einer der Grounds, die mir noch fehlten. Und: Eine Anreise im TGV! Davon hatte ich mir einiges erwartet. Wie das mit Erwartungen so ist, manche werden enttäuscht, manche erfüllt und manche sogar wiederlegt.

Vom TGV hätte ich mir irgendwie mehr erträumt. Mehr von allem. Komfort, Service etc. Es gab nicht mal WLAN (was ja eh nicht funktioniert hätte, aber egal). Auf Ansagen, warum wir in Ulm 10 und in Stuttgart nochmal 15 Minuten standen, wartete ich auch vergeblich. Aber immerhin hat mir die halbe Stunde Umsteigezeit in Karlsruhe doch gerade noch so gereicht. Ich wurde auch schon von meiner Mitfahrerin erwartet und ab gings nach Freiburg, den Rest der Bezugsgruppe einsammeln. Die hatte sich dann plötzlich und unerwartet um unseren Sportchef (wie heißt das bei uns den nun offiziell?) erweitert. Meggie kam von irgendeiner Spielbeobachtung und plauderte locker-flockig, leider nicht über meinen (noch zu findenden) persönlichen Lenny-Nachfolger, aber über die Fernsehgelderverteilung. Er konnte das alles auswendig runterrattern, ich hab mir nur gemerkt, dass es gut wäre, wenn die Löwen die Klasse hielten und Paderborn abstiege, was auch familiär durchaus Zustimmung finden würde. Außer einem war von uns noch niemand in Freiburg (bei 5 ADK-Inhabern eine unvorstellbare Quote), trotzdem fanden wir uns mit der Straßenbahn schnell zurecht. Den Rest zu Fuß und in der badischen Sonne noch ein Bier vor dem Stadion getrunken, ohne Fantrennung, ohne Theater. Aber Hauptsache der Gästeblock war abgeriegelt wie Fort Knox. Manchmal fragt man sich wirklich.

Und jetzt kommts: Ich finde den Gästeblock gar nicht so doof. Oder anders: Wir hatten wohl einen der besseren Plätze, jedenfalls was die Sicht betraf. Zumindest beide Tore konnte ich sehen. Ob das jetzt Fluch oder Segen war, lasse ich mal dahingestellt. Ansonsten wirkte es, als seien doppelt so viele Karten verkauft worden, wie eigentlich Leute Platz haben. Wir hatten in der zweiten Halbzeit mal wieder fragwürdige Gestalten hinter uns. Wenn man sich vor lauter Alkohol nicht merken kann, wo man stand (und davon ausgeht, dass man Plätze reservieren kann), sollte man nicht die Leute bepöbeln, die schon die ganze Zeit VOR einem standen. Was mich aber WIRKLICH gestört hat am Block bzw. am Stadion ist die Dauerbeschallung. Das Badner Lied war da noch nicht mal das Schlimmste. Es lief von unserer Ankunft bis zur Abreise Musik in einer Lautstärke, die irgendwann ziemlich unangenehm wurde, nur unterbrochen von den zwei Mal 45 Minuten Spiel. Oder vom Stadionsprecher, der – ähnlich wie mein Freund in Leipzig – früher vermutlich auch Animateur in einem Club auf Mallorca war.

Zum Spiel: Ich hatte nichts erwartet. Freiburg ist Tabellenführer, für uns geht es um nichts mehr (außer um die oben erwähnten Fernsehgelder), 2:1 wäre vermutlich mein Tipp gewesen. Dass man dann doch fast noch was mitgenommen hätte, fand ich also gar nicht so verkehrt. Aber was wir für Fehler dabei hatten. Jungs, macht gerne ein Mittagsschläfchen, aber doch nicht um halb zwei am Spieltag. Und dann dieses handballeske um den Sechzehner Rumgespiele. Wie wärs denn mit einfach mal draufhauen. Das machte dann ausgerechnet Alushi, bekanntlich nicht mein bester Freund, aber könnte ja noch was werden, wenn geklärt ist, wo Familie Alushi demnächst kickt. Was mich noch mehr nervt ist das Ballgeschiebe in UNSEREM Strafraum. Ich sterbe immer tausend Tode bis der Ball mal geklärt ist. Und das hat Ewald im letzten  Trainingslager (also im letzten, bei dem ich dabei war) unmissverständlich klar gemacht: „Drescht ihn halt in die Karpaten!“ Wahrscheinlich hätte man den Jungs einen Atlas dazu geben müssen. Auf jeden Fall kann ich da kaum hinsehen. A propos hinsehen: Welcher Vollblinde Lenny zunächst das erste Tor zugeschrieben hat, wüsste ich ja auch gerne. Kann ja gar nicht sein, hätte ja die Statistik verfälscht. Kann man im schönen Badner Land aber natürlich nicht wissen.

Ich ging am Ende eigentlich mit einem ganz guten Gefühl nach Hause. Ach ja, zur Stimmung im Block wollte ich noch was sagen. Vom Freund zuhause wurde nur gemotzt, dass es keine Fahnen gegeben habe und man nichts gehört hätte. Also ich fand uns laut. Von den Freiburgern hab ich außer bei der Hymne, die da auch noch zwei Mal läuft, nichts mitbekommen. Was natürlich nichts heißt, aber ich möchte behaupten, dass der Auswärtsmob einen guten Tag hatte. Könnte man sich am Millerntor eine Scheibe abschneiden, aber das hatten wir ja letztes Mal bereits.

Es ging zurück zum Bahnhof, wo sogar noch Zeit für einen Eisbecher und nette Gespräche blieb, ehe es zurück ging. Dieses Mal im ICE. Mit verschlossenem Wagen 14. Und wo hatte ich reserviert? Genau. WLAN? Braucht doch keiner oder? Umsteigen in Mannheim, geänderte Wagenreihung und bis Stuttgart erneut kein WLAN. Die Zugfahrten waren nicht so wirklich das Gelbe vom Ei, dafür hat mir der Trip richtig Spaß gemacht und ich habe mein letztes richtiges Auswärtsspiel für diese Saison (Düsseldorf fällt aus, Nürnberg ist für mich nicht wirklich auswärts) sehr genossen.

Nächstes Wochenende hab ich ein Doppelfußballwochenende mit jeweils Heimspiel vor mir, mal sehen, ob es da was zu berichten gibt.

Den 4. Platz brauchen wir übrigens dringend – wegen der Fernsehgelder. Und ich hätte gerne noch ein Lenny-Tor. Für die Statistik. Zwei Fliegen, eine Klappe.

Forza Sankt Pauli!

Ro(a)hrkrepierer

Berlin und ich. Das passt einfach nicht. Nicht bei Union. Und auch nicht zuhause gegen Union. Ob das dieses Mal aber an den Eisernen lag, wage ich zu bezweifeln.

Die Anreise gestaltete sich bereits kurios.

Aber irgendwie war meine Laune aus unerfindlichen Gründen da eh schon im Keller. Mein letztes Heimspiel war (ich musste drei Mal nachsehen) am 12. Februar (!). Man sollte also meinen, dass da eine gewisse Vorfreude herrschte, aber weit gefehlt. Könnte auch daran liegen, dass der werte Herr Wombat sich lieber in südlichen Gefilden statt auf der beschaulichen Gegengerade aufhielt. Ich mag alle meine Bezugsgruppenmitglieder, aber es gibt halt immer so ein, zwei besondere Menschen und wenn die fehlen, ist es nur halb so schön. Und obwohl ich dieses Mal wirklich früh da war und ordentlich Zeit für Spielvorbereitung war, besserte sich meine Laune keineswegs. Ein Blick beim Warmmachen auf Lenny genügte mir, um zu wissen, dass der heute ähnlich drauf war. Ich erwartete also nichts, jedenfalls nicht von ihm. Nach dem Schlag aufs Knie in der 3. Minute hätte man ihn dann ganz auswechseln können. Trotzdem dauerte es eine halbe Stunde bis zu meinem ersten (und einzigen) Tobsuchtsanfall. Die erste Halbzeit ist mit „grausam“ noch schmeichelhaft umschrieben. Und das sowohl auf dem Rasen, als auch auf den Tribünen. Ein Trauerspiel, aber dazu kommen wir später noch einmal gesondert. Nach der Halbzeit wurde es etwas besser. Wo der Union-Trainer allerdings ein gutes Spiel gesehen haben will, ist mir ein Rätsel. Keines der Teams hatte wirklich zwingende Chancen, das Spiel plätscherte so dahin, um ehrlich zu sein, habe ich mich selten so in einem Stadion gelangweilt. Normalerweise kann man sich ja dann wenigstens am Support beteiligen, aber leider hörte ich nur die Unioner und da wollte ich aus naheliegenden Gründen nicht mitmachen.

Wir wollten ja dann eigentlich noch mit zum Marsch, bis wir uns sortiert hatten, waren die ersten schon los, aber man trifft sich ja immer wieder. Für mich war es der erste Marsch und ich war überrascht, wie friedlich alles ablief. Wo das doch alles solche Unruhestifter sind, nicht?  Ich hab jedenfalls keine Wasserwerfer und auch sonst kaum Polizei gesehen, was mich hoffen lässt, dass man bei der Polizei vielleicht etwas verstanden hat. Sollten wir öfter versuchen, klappte doch ganz gut, oder Herr Innensenator?

Danach das übliche Nachspiel an der Domschänke, welches dieses Mal etwas länger dauerte und mit dem guten Dom-Catering (einen Vorteil muss das Ding ja haben) abgerundet wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt war meine Laune auch schon wieder besser, Spiel war ja lange vorbei und ein bisschen Alkohol tat sein übriges dazu.

Trotzdem: Der Support ist und bleibt ein Riesenthema für mich. Ich geh jetzt seit ziemlich genau 3 Jahren ans Millerntor. Also bald 2 komplette Saisons. Ich höre die mit 10 Saisons und mehr lachen, aber irgendwann muss man ja mal anfangen. Ich kenne also die alte Gegengerade nicht mehr, von der alten Süd brauchen wir gar nicht reden. Aber vor 3 Jahren hatte die Gegengerade noch eine Stimme. Und es gab tatsächlich Roar-Momente. Wo sind die nur hin? Und vor allem: Warum? Ich weiß es nicht, wirklich nicht. Jetzt hatte ich gestern auch nicht meinen besten Tag und das Spiel hat sicher nicht viel hergegeben, aber das Union uns so an die Wand singt… Ich bin immer noch – geschockt. Das trifft es eigentlich am ehesten. Die Süd haben wir auf der Gegengerade wirklich gar nicht gehört. Tatsächlich haben wir (Block E) zwei Mal Wechselgesang mit der Nord gemacht, einmal „Fabulous Sankt Pauli“ und das wars irgendwie. Bei der Einwechslung von Benny Köhler, wurde um mich herum nicht geklatscht und ich kam mir schon ganz komisch vor, als ich dem vom Krebs genesenen Gegner applaudierte. Liegt das nur an den viel gescholtenen „Eventfans“? Oder am Saisonverlauf im Allgemeinen? Geht um nichts mehr, kann ich meine Wochenendplanung auch im Stadion machen? Nee Leute, wirklich nicht! Aber solange die Spieler die tolle Stimmung noch abfeiern

Muss der das sagen oder glaubt der das wirklich? Ich war vor 2 Wochen im Fürther Auswärtsblock mit 250 Mann, da war mehr los, als am Freitag im gesamten Stadion. Und jetzt sagt ihr – zurecht – „Die meckert immer nur, macht es aber auch nicht besser.“ Stimmt. Weil ich keine Ahnung habe, wie die Lösung aussehen soll. Ich weiß nur, dass ich keine „Stimmung“ wie in Wolfsburg oder Sinsheim haben will. Und ich glaube, dass eine gute Stimmung im Stadion die Mannschaft entsprechend pusht und vielleicht ein paar Prozent mehr rausholen lässt. Vielleicht genau die paar Prozent, die uns dieses Jahr zu einer Spitzenmannschaft gefehlt haben. Die 3 letzten Heimspiele wird sich daran wohl nichts mehr ändern, aber ich hoffe sehr, dass in der neuen Saison etwas mehr passiert. Sowohl auf dem Rasen als auch auf den Rängen.

In diesem Sinne: Forza magischer FC!

 

 

 

Von Auftragstorschützen und lebensmüden Tauben

Nachdem Heidenheim aus diversen Gründen (blöde Anreise, schlechtes Wetter, beginnende Krankheit) für mich ausfiel und Paderborn bekanntlich nicht geplant war, ist mein letztes Spiel des FCSP schon gefühlte Lichtjahre her. Entsprechend heiß (um in der Fußballsprache zu bleiben) war ich auf das Spiel in Sandhausen. Ich weiß eh nicht, warum alle Leute sich da immer drüber lustig machen. Mir hat es beim letzten Mal schon gut gefallen und somit habe ich dann auch gleich den Anhang zum Mitfahren verdonnert. Das war auch gut, denn von den sonst üblichen Verdächtigen war kaum jemand da.

Die Anreise war herrlich unkompliziert, von Mannheim mit der S-Bahn nach St. Illgen-Sandhausen und da direkt in den Shuttlebus eingestiegen und zum Stadion gebracht worden. Alles völlig unaufgeregt, was auch an unserer frühen Ankunft liegen könnte. So teilte mir der Kontrolleur am Eingang mit, ich sei die 100 Besucherin. Was sich insofern ganz gut traf, dass wir am Bahnhof Schließfach Nr. 100 hatten. Konnte nur ein gutes Omen sein.

Das hatte die Bezugsgruppe diese Woche auch dringend nötig, weil eines unserer Mitglieder einen Todesfall in der Familie zu beklagen hatte. Ich wünschte mir also nichts sehnlicher als einen Sieg und versuchte das auch Lenny telepathisch zu vermitteln. Daran glauben, dass er sich daran beteiligen würde, wenn ich im Stadion bin, tat ich selbstverständlich nicht. Konnte ich ja nicht ahnen, dass man sich da Tore nicht wünschen muss, sondern bestellen. Ein Auftragstorschütze. Besser als ein Auftragsmörder.

Während sich die Jungs aufwärmten, legte ich dem Begleiter Buchti wärmstens ans Herz, da er ihn noch nicht so oft gesehen hatte und ich ja grundsätzlich viel von ihm halte. Es kam natürlich, wie es kommen musste, Buchti hatte (vorsichtig ausgedrückt) nicht seinen stärksten Tag und ich stand mal wieder wie der Superexperte da.

Zum Spiel von mir wie immer nicht viel: Sandhausen war erschreckend schwach, wir dann doch souverän, ohne überragend Fußball zu spielen. Aber wir haben das Spiel die ganze Zeit im Griff. So gut, dass ich mir in der zweiten Hälfte zwei fangirlsche Auszeiten nehme und noch ein bisschen hache und schmachte, solange ich noch kann.

Ich sagte ja bereits eingangs, dass ich Sandhausen sehr mag. Das liegt irgendwie auch am Stadion. Unten auf der Haupttribüne und Gegengerade noch mit Stehplätzen ausgestattet, die Ultras (heißen die da offiziell überhaupt so?) direkt neben dem Gästeblock und das dann auch noch gefühlt mit einer halben Kapelle ausgestattet. Zumindest den Schlagzeuger hörte man gut. Und in der 1. Halbzeit lag das auch ein bisschen an uns. In der zweiten Hälfte war es dann besser, zumindest meinem subjektiven Empfinden nach. Ich gehöre übrigens auch zu denen, die „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins.“ nicht können. Bräuchte ich ehrlich gesagt auch nicht zwingend im Block, aber ich verspreche zu üben. Was ich auch nicht bräuchte – und das sagte ich im Duisburg-Beitrag schon mal – sind die massiven „Ewald Lienen“ Gesänge. Und wenn man sich seine Reaktion so ansieht, könnte er auch darauf verzichten, jedenfalls in dieser Intensität.

Die Rückreise gestaltete sich ähnlich entspannt wie die Hinreise, nur mit einem längeren Aufenthalt am Bahnhof St. Illgen-Sandhausen, was aber zu verschmerzen war. Da wir alle noch Zeit bis zur Weiterfahrt hatten, suchten wir uns etwas zum hinsetzen, quatschen und essen. Ich natürlich wieder mit dem Rücken zum Geschehen und bekam deshalb auch erst mit einiger Zeitverzögerung mit, dass einige unserer Jungs sich dort ebenfalls was zu essen holten. Ich will ja keine Namen nennen, aber die sehen ja schon alle noch wahnsinnig jung aus. Es wirkte so ein bisschen, als hätte man Sören Gonther als Aufpasser für die lieben Kleinen mitgeschickt. Zu süß! Wenn ich die Jungs so aus der Nähe sehe, verschlimmert sich meine Midlife crisis noch mehr als beim Anblick der Geburtsjahre.

Und da es bis Bochum (warum, wieso, weshalb, dann gleich unten mehr) noch ein weiter Weg war, wollten wir uns noch ein paar (!) Donuts holen. „Die 14er Box ist im Angebot“ hörte ich den Verkäufer sagen und ich – als Schwäbin kann man da einfach nicht anders – nickte mechanisch. Der Abend war jedenfalls gerettet. Außer vielleicht für meinen Freund, der musste nämlich das Bett mit diesem netten Herrn teilen😉

Der FCSP-Teil der Leser ist ab hier entlassen, darf aber natürlich gerne den zweiten (Kleeblatt-)Teil und das Ende der Donutstory auch genießen.

Nach Bochum ging es nämlich aufgrund des Vereins meines Freundes. Und da ich „angeheiratet“ bin (interessante Art eines Heiratsantrags, aber ja okay, können wir schon machen, wann ist Termin?), fuhr ich natürlich gerne mit.

Nach einem mehr oder weniger gemütlichen Frühstück (ja, zum Teil auch mit Donuts), fuhren wir am Sonntag mit der U-Bahn ins rewirpower-Stadion an der Castroper Straße. Bochum gehört – wie Sandhausen und Frankfurt – zu meinen Lieblingsstadien. Und die Currywurst kann man sich auch mal geben, wenn man schon dort ist. Woran ich mich jedes Mal gewöhnen muss, ist der doch recht überschaubare Anhang der Fürther im Auswärtsblock. Ich tippe auf 300 Leute, wenn man alles zusammennimmt. Dafür aber mit jeder Menge Zaunfahnen, deren Befestigungsmaßnahmen an Free Climbing erinnerten. Für so eine kleine Fangemeinde war aber gut was los im Block. Mir wurde jedenfalls recht schnell klar, warum dieser junge Mann keine Jacke brauchte.

Das Support-Highlight war aber das Einüben eines neuen Lieds. Probiert man ja erst mal auswärts in kleinere Runde. So weit, so gut. Aber dass selbst der Vorsänger in der einen Hand das Megaphone hält und in der anderen einen kleinen Spickzettel mit dem Text, hab ich so auch noch nicht erlebt, hat mich aber doch einigermaßen erheitert.

Da das letzte Spiel der Spielvereinigung parallel zu unserem Spiel gegen Paderborn stattfand, habe ich selbiges nicht gesehen und verließ mich auf die Information des Begleiters, dass „mein“ Robert (eher ein Fangirl-Projekt als ein Fangirl-Objekt) wegen der 5. Gelben gesperrt sei. Das schien Robert aber nicht davon abzuhalten, fröhlich auf dem Platz auf und ab zu rennen. Hä? Kicker App gecheckt, war bereits die 6. und somit war er spielberechtigt. Unverhofft kommt oft. Daher musst das Sorgenkind Gießelmann ohne meine Spezialbetreuung auskommen. Scheint ganz gut geklappt zu haben, jedenfalls hat Gassi in diesem Spiel seinen rechten Fuß (wieder) entdeckt. 1:0 Fürth. Bochum bis kurz vor der Halbzeit auch kaum existent. Aber dann, tja, Terodde. Man sollte ihn eben niemals aus den Augen lassen. Ausgleich kurz vor dem Pausenpfiff. Erinnerte mich stark an den magischen FC. Nach der Pause spielt Bochum endlich auch mit und so geht es munter hin und her. Die einzigen, die das nicht zu stören scheint, ist eine Schar Tauben, die entweder auf dem Rasen sitzt oder auch gerne mal in der Flugbahn des Balles ihre Kreise zieht. Man könnte fast meinen der eine oder die andere legt es auf einen Treffer an. Bisschen lebensmüde, die Guten. Das 2:1 schießt das – nach Gießelmann – zweite Sorgenkinder der Fürther, Veton Berisha. Er erinnert mich immer an John Verhoek. Und ich hoffe, dass dieses Tor im Aufwind geben wird. Würde mich wirklich freuen, der rackert und wühlt da nämlich wie ein Irrer.

Worauf ich ganz gut hätte verzichten können, ist das Ende. Bochums Fans werfen Gegenstände auf Mielitz, der das verständlicherweise weniger lustig findet. Nach einem selten dämlichen Bodycheck fliegt Hoogland mit Gelb-Rot vom Platz, keine 3 Minuten später dreht Gjasula – mal wieder – durch und packt Eisfeld am Kragen. Aus dem Block sah es so aus, als greife er ihm an den Hals, ganz so schlimm war es zwar nicht, aber halt auch typisch Gjasula. Richtig guter Fußballer, mit richtig viel Temperament und viel zu kurzer Zündschnur. Folgerichtig sieht Gjasula rot und weil ihm das immer noch nicht reicht, rempelt er auch noch den Schiedsrichter an. Man darf gespannt sein, wie lange er darüber während seiner nun folgenden Sperre nachdenken darf.

Ein Punkt in Bochum ist sicher nicht schlecht, auch wenn es sich zunächst nach einer Niederlage anfühlte. Nach der Verabschiedung der Mannschaft, sind wir vom Stadion zum Bahnhof zurückgelaufen – dieses Mal sogar in die richtige Richtung. Von dort ging es dann zurück in die Heimat.

Und was soll ich sagen, die Donutgeschichte endete erwartungsgemäß

Doppelfußballwochenenden sind zwar unheimlich anstrengend, aber auch immer ereignisreich, mit der richtigen Begleitung sowieso. Deshalb hier noch mal ein Dankeschön an den Herrn r0hdiamant.

Jetzt genieße ich ein langes Osterwochenende bevor ich mich auf die letzten Spiele dieser Saison freue und – wenn die DFL dann mal soweit ist – diese auch planen kann.

In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal.

Voran magischer FC!             Bianco Verde allez!