Familienduell

Dieses Mal wird mein Eintrag etwas kürzer, weil ich gleich schon wieder los muss, um das Kleeblatt zu sabotieren, äh unterstützen natürlich. Bei meiner Bilanz im Stadion diese Saison wird es wohl leider auf ersteres hinauslaufen. Dazu später mehr.

Zum letzten Mal für diese Saison (vorausgesetzt die GDL lässt mich ins Stadion kommen), geht es für mich vor dem Fernseher zur Sache. Oder auch nicht, denn die erste Halbzeit plätschert so vor sich hin und etwas an mir vorbei.

Nach dem Wechsel ist es sowohl auf dem Feld als auch auf dem Sofa anders. Es macht mehr Spaß zuzusehen, wenngleich ich nicht das Gefühl habe, dass sich am 0:0 noch was ändern wird. Ich lausche in den Stock über mir, aber dort ist es ruhig. Mein Nachbar ist nämlich Club-Fan, was sich des Öfteren lautstark bemerkbar macht. Vielleicht ist er ja gar nicht da? Gerade als ich kurz vor Ende der regulären Spielzeit überlege, aufs Klo zu gehen, weil ich ja eh nichts verpasse, köpft Lasse das 1:0. Ich bin so perplex, dass ich das Jubeln kurzerhand vergesse. Zwei Minuten später (der Herr hat eine längere Leitung als ich), ertönt über mir ein „Scheiße“ und das löst meine Starre und ich fange erst zu grinsen und dann zu lachen an.

Einmal mehr bewahrheitet sich die Weisheit des geschätzten Herrn @derUebersteiger, dass man das entscheidende Tor nicht zu früh schießen darf. Den Schlusspfiff verbringe ich jubelnd, lachend und weinend, während der Nachbar in seiner Wohnung hörbar flucht.

Der erste Gratulant ist mein Freund, obwohl das Ergebnis für sein Kleeblatt nicht das Beste war. Es ist nicht leicht, in Zeiten, in denen beide Vereine gegen den Abstieg kämpfen, nicht wegen jedem guten Ergebnis des anderen das Streiten oder Mosern anzufangen. Aber andererseits: Es ist nur Fußball! Und gleichzeitig so viel mehr als das.

Die nächste Gratulantin ist meine Löwenfan-Mama. Sie freut sich ebenso uneingeschränkt mit mir.

Und genau das ist es, was ich aus diesem Spieltag mitnehme (außer den 3 Punkten und einem Siegerlächeln): Es ist wunderbar, diese Leidenschaft für Fußball zu teilen. Der Verein spielt dabei (kaum) eine Rolle. Es geht um die Menschen, mit denen man das Erlebnis teilen kann. Wir sprachen gestern über Familie. Und meine zweite Familie sind die fußballbegeisterten Menschen in meinem Umfeld, allen voran meine Bezugsgruppe, die ich unheimlich vermisse und wegen der ich mich so sehr auf das nächste Heimspiel freue.

Dabei gibt es tatsächlich nur ein Problem: Bei den letzten drei Siegen (in Braunschweig, gegen Düsseldorf und jetzt gegen den Club) war ich nicht im Stadion. Ich hatte ja in einem früheren Beitrag gesagt, dass ich niemals auf den Stadionbesuch verzichten würde. Seit gestern bin ich mir da nicht mehr so sicher. Und so langsam nehme ich es persönlich, dass meine Mannschaft nicht gewinnen kann, wenn ich anwesend bin. Aber da ich auch wegen der vielen lieben Menschen ins Stadion gehe, werde ich dem Ganzen nochmal eine Chance geben. Morgen erstmal beim „fremden“ Verein, nächste Woche dann in Heidenheim. Ich kann zur Not ja einfach fünf Minuten vor Schluss gehen.

Mir hat dieser Sieg unglaublich gut getan und ich vermute mal, dass es den meisten so geht. Es hilft uns aber nur weiter, wenn wir in Heidenheim anders auftreten als in Karlsruhe. Langsam, ganz langsam kehrt der Optimismus selbst bei mir zurück.

In diesem Sinne: Allez Braun-Weiß Allez!

P.S.: Gratulant Nr. 3 war ein Club-Fan (nein, nicht der Nachbar) und Gratulant Nr. 4 ein HSV-Fan. In den Farben getrennt, in der Leidenschaft vereint!

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Ein Gedanke zu „Familienduell

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