Thyamo

Der Titel für diesen Eintrag war schnell gefunden. Der Inhalt fiel und fällt mir erstaunlich schwer. Da schießt „dein“ Spieler zwei Tore, da gewinnt dein Verein 5:1 und du hast nichts zu sagen. Da stimmt doch was nicht. Versuchen wir mal dahinter zu kommen, indem wir vorne anfangen:

Ich wäre unheimlich gerne zu „Fußball und Liebe“ gekommen, aber meine Eltern hatten sich zu Besuch eingeladen und es war schon schwer sich für den Sonntag loszueisen. „Warum gehst du denn nicht mit uns ins Stadion?“ fragte mein Papa. Verständnislose Blicke von mir und meiner Mama. „Weil das nicht ihr Verein ist und sie ans Millerntor gehört.“ Joa, Mama hats erkannt. Also um halb fünf in der Früh von der Familie verabschiedet und nach Hamburg gefahren. Noch kurz ins Hotel, das heißgeliebte Trikot angezogen und kurz mit dem Kleeblattfreund geschrieben. Wo du hinschaust, nur Abstiegskampf. Das Thema Fußball wurde bereits jetzt zum Tabu für den Urlaub erklärt. (Ich glaube, dass keiner von uns beiden sich lange daran halten wird, aber man kann sich ja mal was vornehmen).

Dann ab zum Millerntor, die Bezugsgruppe getroffen, die Konfettikanonen vorbereitet und sich gefreut, dass die Bezugsgruppe fast komplett angereist war. Wir sind extra früher reingegangen als sonst und das war auch gut so, weil die Verabschiedung von Dennis Daube, Philipp Tschauner und Florian Kringe mitten ins Warmmachen fiel. Insgesamt eine recht unemotionale Veranstaltung, wie ich finde. Ich hätte mir gewünscht, dass die drei ein paar Worte sagen dürfen, vielleicht nicht vor dem Spiel, aber dann doch danach.

Anpfiff zum Spiel und mittenrein ins „That’s the way we like it“ trifft – na wer wohl? Michael Gregoritsch zum 1:0. Nach einem haarsträubenden Fehlpass von Buchti, der Sören zu einer Grätsche zwingt, die zu nichts führt, außer zu einer „Einblutung ohne Strukturverletzung“, was soviel heißt wie Pferdekuss, was wiederum zu einem frühen Wechsel führt. Gregerl jubelt nicht. Ist mir eigentlich ziemlich schnuppe, ob er das demonstrativ lässt, einfach so lässt oder sich die Seele aus dem Leib schreit, wir liegen hinten und das ist ein Problem.

Nachdem ich die 10 Minuten Regel zu beachten habe (Näheres ist bei @derKante zu erfragen), kann ich noch nicht mal an Lenny rummosern. Der gibt mir allerdings auch keinen Anlass dazu, denn der spielt ein sensationelles Spiel. Wie sensationell kann zu dem Zeitpunkt ja noch niemand ahnen.

Aber den Startschuss für die Aufholjagd gibt Schnecke, als er Andreas Luthe im Vollsprint anläuft. Der lässt ihn zwar ganz lässig aussteigen, aber das scheint die anderen wachgerüttelt zu haben. Ich bin gerade von den Zwischenergebnissen auf den anderen Plätzen und meinem Lieblings-HSVer (ja, sowas gibts, denkt mal drüber nach) abgelenkt und verpasse somit fast den sehenswerten Ausgleich durch Lenny. Fast bedeutet, ich sehe den Ball ins Tor fliegen und kombiniere, dass es wohl Lenny war, aber gesehen hab ich es erst zuhause. Offensichtlich klappt es besser, wenn ich nicht so genau hinschaue.

Damit fehlen ihm noch zwei Tore zu meiner vor der Saison gesetzten (oder besser gewünschten) Marke von 6. Aber ist ja noch bisschen Zeit.

A propos Zeit: Quasi mit dem Halbzeitpfiff packt Halste einen Hammerschuss aus und wir gehen zum richtigen Zeitpunkt in Führung. (Gibt es eigentlich auch einen falschen Zeitpunkt für eine Führung?).

Nach der Pause drängen wir auf das dritte Tor, welches Buchti nach einem sehenswerten Solo kurz und schmerzlos macht. „Ich hatte ja noch was gut zu machen“, sagt er einen Tag später in der Presserunde. So würde ich das zwar nicht sehen, aber gefreut habe ich mich trotzdem sehr. Und da der liebe Lenny mich offensichtlich arm machen will (Ich hab zwei Wetten laufen zum Thema Lenny und Tore), machte er dann eben auch noch mal eines.

Das sechste dann also in Darmstadt. Ich freu mich drauf und zahle sehr gerne meine Wettschulden. Und mit den beiden die der Millernton noch von Schnecke gut hat, dürfte der Klassenerhalt nur noch Formsache sein.

Nicht unterschlagen möchte ich das 5:1 von Waldemar Sobota, wunderschön gemacht und hilfreich fürs Torverhältnis. Trotzdem war die Stimmung nicht überschäumend. Und das liegt an den Ergebnissen auf den anderen Plätzen. Während Aalen verloren hat und abgestiegen ist, haben Sechzig und Fürth gewonnen und Aue immerhin einen Punkt geholt. Das bedeutet – was eigentlich auch zu erwarten war – Showdown am letzten Spieltag. Die Ausgangslage dürfte klar sein, auch wenn es gefühlte 1000 Szenarien gibt. Die Zusammenfassung sieht wohl so aus: Ein Punkt kann reichen, muss aber nicht. Relegation und direkter Abstieg sind noch möglich. Was mich zu einem Versprechen – vor Zeugen – brachte: Ich fahre (bzw würde fahren) auch zum Auswärtsspiel nach Kiel. Zumindest wenn es mit der Bahn oder sonst wie einigermaßen klappt. Aber eigentlich möchte ich verzichten. Für alle Relegationfreunde (also eigentlich nur für @derUebersteiger) könnten wir ja einfach nächstes Jahr die Relegation nach oben spielen.

Nach der Spielerverabschiedung gings für uns wie immer an die Domschänke. Ich schrieb kurz meinem Freund, gratulierte und drückte meine Hoffnung aus, dass es nächste Woche für uns beide reicht.

Auch bei der Verabschiedung von der Bezugsgruppe wurde ich irgendwie das Gefühl nicht los, dass viele mit einem Wiedersehen am 2.6. rechnen. Ich mag euch wirklich sehr und Hamburg ja sowieso, aber ich möchte erst im Juli wiederkommen.

Danach meinen Lieblingswombat noch zum Bahnhof begleitet und anschließend noch mal am stillen und (fast) verlassenen Millerntor vorbeigelaufen. Diesen stillen Abschied hab ich einfach für mich gebraucht. Und deshalb kann ich da nicht einfach so in zwei Wochen wieder auftauchen. Wie würde das denn aussehen?!

Also Jungs, haut noch einmal alles raus, wir Fans werden das in Darmstadt definitiv. Das Horrorszenario für mich ist, dass die Lilien den Aufstieg feiern und wir absteigen. Da wäre doch ein Unentschieden, das für sie zum Aufstieg und für uns zum Klassenerhalt reicht, eine schöne Idee.

Verzeiht mir abschließend noch einen kurzen Fangirl-Anfall: Ich bin unheimlich stolz und glücklich über die beiden Tore. Seit fast zwei Jahren muss ich mir so einiges anhören, aber das Lob in den Medien und auch aus meinem Umfeld sowie Lennys strahlendes Gesicht, entschädigen für sämtliche harten Zeiten.

In diesem Sinne: Thyamo FCSP!

Da ich spät dran bin, schrieben fast alle anderen schon was:

http://randnotizen.schuninio.de/statistisch-gesehen/

http://blog.uebersteiger.de/2015/05/19/33-spieltag-h-vfl-bochum/

http://beebleblox.blogspot.de/2015/05/rettungsring-und-strohhalm-fcsp.html

http://stefangroenveld.de/2015/3-punkte-und-doch-nichts-so-richtig-gewonnen/

http://grenzenlos1910.com/nichts-genaues-weiss-man-nicht/

http://www.sitzblogade.com/der-heilige-ewald-part-ii/

http://hamburg-ist-braun-weiss.info/ein-grosser-schritt-zum-klassenerhalt-51-kantersieg-gegen-den-vfl-bochum/

https://kleinertod.wordpress.com/2015/05/18/alles-gegeben-fcsp-mit-dem-5-1-gegen-bochum-ob-es-reicht-wird-sich-zeigen-im-letzten-spiel/

 

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Ein Gedanke zu „Thyamo

  1. Pingback: Matchday 33: FC Sankt Pauli – VfL Bochum 5-1!!!!!! | FCSP Athens South End Scum

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