Das besondere Spiel

Vorgeschichte

Dass für mich Fußball momentan ein schwieriges Thema ist, habe ich im letzten Beitrag ja bereits dargelegt. Nun also eines der Highlight-Spiele der Saison. Das Duell gegen Schnuckis Herzensverein. Wir hatten das ja letzte Saison bereits. Damals blieb er zuhause und ich war am Millerntor. Dieses Mal fuhren wir gemeinsam. Und zunächst war auch geplant im selben Block zu stehen. Er bei mir und meiner Bezugsgruppe. Die Karte war bereits bestellt, allein das Gefühl war seltsam. Auf beiden Seiten, wie sich dann später herausstellte. Nach längeren Gesprächen entschieden wir uns also doch für die Trennung auf Zeit. Die Karte war schnell anderweitig an den Mann gebracht und eine Karte für den Gästeblock gekauft worden. Wir reisten bereits am Samstag an und genossen einen schönen Nachmittag und ein wunderbares Abendessen im Portugiesenviertel.

Spieltag

Nach einem gemütlichen und ausgiebigen Frühstück (inklusive Alsterblick und dem ersten „Feindkontakt“), ging es langsam Richtung Stadion. Schon in der U-Bahn fragende Blicke und aufklärende Gespräche („Ja, wir lieben unterschiedliche Vereine.“ „Nein, das ist kein Problem für uns.“). Vor dem Stadion die Bezugsgruppe getroffen, nette Gespräche geführt und dann war es auch schon Zeit sich zu verabschieden. Wir gingen in unseren Block und mein Freund in den Gästeblock. Das Spiel beginnt. Und es gefällt mir. Damit meine ich nicht das objektive Spielgeschehen, sondern mein subjektives Empfinden. Dieses Spiel bringt mich gefühlsmässig fast wieder da hin, wo ich mal war. Jedenfalls schimpfe ich, jubel ich und hache auch ein ganz kleines bisschen (ausnahmsweise kommt Lenny dabei mal zu kurz). Das Kleeblatt präsentiert sich ähnlich unsympathisch wie beim letzten Mal (auch wenn es mir schwer fällt, das über meinen Zweitverein zu sagen). Ich würde sie nicht mal als Schauspielertruppe bezeichnen (im Gegensatz zum Rest des Stadions bereits nach 25 Minuten), sondern als Tretertruppe (dazu kommen wir später noch mal). Unsere Jungs beißen sich nach einer Schrecksekunde (Danke Zier, wir waren danach wirklich ALLE wach) ins Spiel. Der einzige, der offensichtlich weiterhin den Schlaf der Gerechten schlief, ist der Schiedsrichter. Ich wurde vor der Partie gefragt „Haben wir was gegen den?“ und zuckte mit den Schultern. Nach dem Spiel würde ich es ganz klar bejahen. Vergib einfach am Anfang mal ein paar gut verteilte Karten und du hast nicht 90 Minuten dieses Theater. Egal, wir führen 2:0. Bis kurz vor der Pause. Hat es irgendjemanden verwundert, dass das 2:1 kurz vor der Halbzeit fiel? Also mich nicht. Nach der Halbzeit eigentlich das selbe Bild. Das Kleeblatt ist stärker, bekommt es aber nicht zusammen. Bis zum vermeintlichen 2:2. Aber da pfeift der Schiri Abseits. Während die Fürther entweder noch jubeln oder schon meckern, spielen wir einen super Angriff, den Ratsche dann im zweiten Anlauf auch im Tor unterbringt. Wir beide diskutieren heute noch darüber, ob man den Freistoß (also nach dem Abseitstor der Fürther) so hätte ausführen dürfen oder nicht. Nun, letztes Mal bekommen wir einen Elfer, den der Schiri zurücknimmt, dieses Mal gibt es einen Freistoß, der (vielleicht) nicht ganz astrein war. Sowas nennt man dann wohl Karma.(So richtig überzeugt bin ich davon selbst nicht, wie ihr merkt, denn eigentlich denke ich, war das Tor korrekt. Aber will man wirklich wegen sowas den Haussegen riskieren?) Das 3:2 fällt zum Glück erst zehn Minuten vor dem Ende, sonst wäre es mit Sicherheit noch mal eng geworden. Letzte Saison hätten wir noch den Ausgleich kassiert. Dieses Mal aber nicht. Mein Wunsch beim Frühstück war übrigens ein 3:3. Wollte er nicht. Heute sieht er das vielleicht anders.

Nachspiel

Wir treffen uns an der Gepäckabgabe wieder. Mir wird zunächst ein Stadionverbot für den Ronhof angedroht und gefragt was der Schiri gekostet hat. Nicht von meinem Freund, sondern vom zweiten Kleeblatt aus meiner Twittertimeline. Ich lache hart. Immer noch. Trotzdem gehen wir noch gemeinsam zur Domschänke. Liebe Bezugsgruppe, ich hab nicht einen blöden Spruch gehört, dafür vielen Dank (auch wenn ich nichts anderes erwartet habe). Worüber er und ich lange diskutieren, ist meine Bezeichnung „Tretertruppe“. Ich habe das Spiel noch nicht im Re-Live gesehen, bleibe aber dabei, dass das Einsteigen insgesamt zu hart war. Dass man das nicht gerne über die eigene Mannschaft hört, ist mir klar. Aber gerade mir fällt es auch nicht leicht. Denn an 32 Spieltagen ist das auch meine Mannschaft. Und da treten sie (meiner Meinung nach) nicht so auf. Warum also immer am Millerntor? Ich kann es mir nicht erklären. Vor allem, wenn man die Szenen vor und nach dem Spiel sieht. Da kennen sich offensichtlich viele Jungs ganz gut, mögen und respektieren sich. Und dann tritt man so zu? (Nochmals der Hinweis: Alles ohne Fernsehbilder bisher, womöglich geht es mir danach wie Christian Streich und ich muss beim Kicker anrufen). Wir verabschieden uns nach netten Gesprächen von der Bezugsgruppe und ich bin froh, dass mein Freund beim nächsten Spiel gegen Duisburg auf der richtigen Seite und auch an meiner Seite steht.

Ansonsten hatte ich zwei fangirlische Highlights gestern:

1. Das Wiedersehen zwischen Lenny und seinem besten Freund. Das war Balsam fürs Fangirl-Herz und

2. Die Fürther in unserem Zug. Mit Dunkin Donuts Boxen und Subway Sandwiches. Ja, so hab ich mir gesunde Sportlernahrung immer vorgestellt.

Um aber nochmals auf meine generelle Gefühlslage zurück zu kommen: Ich hab wieder Spaß am Fußball! Ich plane mit Begeisterung einen Trip nach Großaspach (das Opfer an den Fußballgott, ihr erinnert euch) und fahre am Freitag in den Sportpark Unterhaching. Der Fußball im Stadion hat mich wieder – zumindest fast. Auch Fernsehfußball geht, zumindest die DFB-Pokalkonferenzen waren recht unterhaltsam. Womit ich mich immer noch schwer tue, ist dieser Overload. Wo du hinschaust: Fußball. Und zusätzlich bin ich von Menschen umgeben, denen Fußball viel bedeutet: Der Großteil meiner Twitter-Timeline, meine Mama, mein Freund, meine Bezugsgruppe. Davon möchte ich niemanden missen und trotzdem ist es manchmal einfach zu viel. Manchmal möchte ich lieber übers Wetter reden, als jeden Pass fünf Mal zu analysieren. Dann noch die Zeitungsartikel, Homepage, Facebook, Podcast, Blogs. Ich hab das Gefühl, dass ich nur noch von Fußball umgeben bin und das erdrückt mich. Auch das Gefühl hier etwas schreiben zu „müssen“, hat mich unter Druck gesetzt. Ich habe es dennoch aufgrund der besonderen Situation getan. Es kann aber sein, dass ihr in nächster Zeit weniger lesen werdet. Oder auch nicht. Wahrscheinlich werde ich euch spätestens von Großaspach berichten. Aber wenn nicht, dann sei euch versichert: Der Fußball und ich finden wieder zusammen! Aber es wird noch ein bisschen dauern.

Aber es gilt immer noch: Denn ganz egal, was auch geschieht, wir werden immer bei dir sein.

Nachtrag: Nach ansehen der Fernsehbilder, muss ich sagen: Hat jemand die Nummer vom Kicker zur Hand? Das Spiel wurde von beiden Seiten hart geführt. Ein konsequenterer Schiri hätte da viel Hektik rausnehmen können, hat er aber nicht. Also muss (darf) ich Tretertruppe zurücknehmen. Was die Schauspielertruppe betrifft… Nunja…. Ich verweise da einfach auf sämtliche Szenen an denen mein persönlicher Freund Robert Z. beteiligt war. Für die Goldene Himbeere dürfte es jedenfalls reichen. Eine schöne Geschichte noch zum Abschluss, die ich erst im TV gesehen habe: Domi Kumbela wünschte dem an der Seitenlinie vorbeihumpelnden Sören Gonther gute Besserung.

Die bessere, weiß-grüne, Hälfte sah das Spiel (naturgemäß) etwas anders:

http://positiverlebnis.com/2015/08/18/wankelmut/

Weitere braun-weiße Ansichten:

http://beebleblox.blogspot.de/2015/08/schwul-mit-kalten-duschen-fcsp.html

http://grenzenlos1910.com/vier-schritte-weiter/

http://www.stpaulinu.de/its-a-kind-of-magic/ausgleichende-abseitsregel

https://kleinertod.wordpress.com/2015/08/18/berauschender-fcsp-heimdreier-gegen-fuerth-nach-einem-spannendem-spiel/

http://niceguys.blogsport.de/2015/08/17/senfdazu2/

Advertisements

3 Gedanken zu „Das besondere Spiel

  1. Zitronenjette20

    Hat mir gefallen und mein Herzklopfen in der 2. Halbzeit war sofort wieder präsent.Nachträglich habe ich ebenfalls einiges revidiert. Nun ja, der Blickwinkel ist eben „etwas“ eingeschränkt. 🙂 Freue mich sehr, dass deine Freude & deine Leidenschaft wieder aufblitzt. Mir würde dein Schimpfen doch sehr fehlen. Und ja, es gibt ein Leben neben dem Fußball. 😉 Drück dich und Danke.

    Gefällt mir

    Antwort
  2. Pingback: Berauschender #FCSP Heimdreier gegen Fürth nach einem spannendem Spiel | KleinerTods FC St. Pauli Blog

  3. Pingback: Wankelmut. | Positiv-Erlebnis.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s