Nicht verliebt in Berlin – Von Teflon-Rindern und Leisesingern

Berlin und ich, das wird nichts mehr. Jedenfalls nicht, wenn es im Zusammenhang mit Fußball steht. Aber von vorne:

Anreise am Donnerstag nach einem 8 Stunden Tag im Büro und schon konnte auch ich im Zug schlafen. Und deshalb gönnte mir die Deutsche Bahn auch noch 20 Minuten mehr. Aber was solls, ich musste ja nur noch ins Wasserbett-Domizil. Der beste Gastgeber Berlins holte mich sogar ab und zog – Gentlemanlike – mein Köfferchen durch das nächtliche Berlin. Mehr passierte an diesem ersten Abend auch nicht.

Am Freitag hatte ich meinen Lieblingswombat zu einem Tierpark-Besuch genötigt. Und es hat nicht mal geregnet. Die Wettervorhersage war eh wieder viel pessimistischer als die Realität. Trotzdem waren kaum Leute unterwegs und so bekamen wir eine Privatfütterung bei den Asiatischen Elefanten, wo der Elefantennachwuchs, sich als einzige ins Wasser und somit zu den Äpfeln getraut hat. Muss ja auch noch wachsen, die Kleine 😉 Anschließend traf sich ein Teil der Bezugsgruppe in einem Irish Pub, wo wir zuerst von der Bedienung angepampt wurden („Ihr könnt euch doch nicht einfach umsetzen, die Kollegin dachte ihr seid ohne zu zahlen gegangen.“ Wir saßen genau zwei Tische weiter. Augen auf hätte geholfen.) und dann Zeugen des Teflon-Rinder-Massakers wurden. Man kann dort Steak auf einem heißen Stein bestellen und selbst grillen. Soweit, so gut. Die beiden Damen „vergassen“ das arme Tier leider auf dem HEISSEN Stein, trotz der verzweifelten Rufe von uns, das Fleisch doch endlich umzudrehen. Die Folge war, dass das ganze Restaurant nach Fleisch stank und das arme (zum Glück schon tote) Rind auf der einen Seite roh und auf der anderen schwarz war. Die beiden juckte das allerdings gar nicht. Wir überließen das Teflon-Rind seinem Schicksal und machten noch einen nächtlichen Spaziergang durch Berlin, das aufgrund des „Festival of Light“ auch noch speziell beleuchtet war.

Samstag ging es nach einem Frühstück bei Kerzenschein ins Stadion. Verkehrsgünstig gelegen ist leider auch was anderes. Aber irgendwann waren wir dann tatsächlich da. An der Tanke noch ein Bier Cola geholt und dann das übliche Spiel. Jeder wartet auf irgendwen. Als es dann schon nach zwölf war, hab ich mich doch mal ins Stadion begeben ohne den einen Teil der Bezugsgruppe. Und dann einen Platz mittig im Block bezogen. In der Nähe einer Schwenkfahne. Dieses Mal gab es diesbezüglich (jedenfalls meines Wissens nach) keine solche Diskussion wie letztes Jahr. Dafür stellte sich die Nachbarschaft als äußerst schwierig heraus. Hinter uns Party Paulis, die erstmal Selfies schossen und die Welt mit Sprachnachrichten aus dem Block beglückten. In jedem zweiten Satz fiel dann auch „Scheiß Union!“ und „Verpisst euch!“ Letzteres rief doch etwas Erheiterung bei mir hervor, schließlich waren wir die Gäste, aber die Erklärung hätte sie vermutlich bei weitem überfordert. Ebenso die Erklärung, warum beim fcsp weder der Schiedsrichter noch die gegnerischen Spieler mit gewissen Schimpfwörtern bezeichnet werden. Ist ja leider kein Einzelfall, in Frankfurt gab es einen Vorfall inklusive Diskussion zu einem Böhse Onkelz Tattoo. Und auch damals: Keinerlei Einsicht, haarsträubende Erklärungen, null Verständnis für die Werte unseres Vereins.

Das Spiel fing an und ich vergaß kurzfristig die 10 Minuten Regel und blaffte Lenny an, wovon  mein Vordermann sich schon gestört fühlte. Mein Nebensteher fühlte sich hingegen bemüßigt, mir mitzuteilen, dass ich lauter singen solle. Also ehrlich, ich lasse mir meine Art und Weise des Supports nicht vorschreiben. Wer seid ihr denn anderen Leuten entweder den Mund verbieten oder Lautstärkenkontrollen einführen zu wollen? Hab ich mich zu eurem Alkoholkonsum geäußert? Nee, weil das euer Bier (im wahrsten Sinne des Wortes) ist. Das hat mir komplett die Freude am Spiel genommen. Und wenn das jetzt Standard wird im Auswärtsblock, könnt ihr zukünftig alleine ohne mich singen, ob laut oder leise ist mir dann egal. So macht es absolut keinen Spaß! Das Spiel lief entsprechend an mir vorbei. Ich kann heute – einen Tag später – keine einzige Szene mehr nacherzählen. Ich hab auch den Aufreger des Tages, nämlich die Nachspielzeit nicht gesehen. Mir wurde aber von zwei Leuten unabhängig voneinander berichtet, es seien 3 Minuten angezeigt worden. Das Tor fiel bei 2:55, sagt die Fernsehanalyse des Gastgebers. Und selbst wenn nicht, das Spiel ist erst vorbei, wenn der Schiri abpfeift (5 Euro ins Phrasenschwein, ich weiß). Sollte man den Jungs vielleicht nochmal sagen.

Egal, Punkt bei Union. Lief auch schon schlechter. Dann das Unvermeidliche: Der Weg ins OBE. Nach gefühlten 50 Umstiegen und knappe eineinhalb Stunden später, kamen wir trotzdem als erste an und trafen auf die TV-Seher-Truppe, die uns auch einen Tisch gesichert hatten. Und so ließen wir den Abend gemütlich ausklingen.

Das gemeinsame Brunchen fiel aufgrund von spät aufstehen und nicht in die Pötte kommen meinerseits aus und so ging es direkt zum Bahnhof und in die Wahlheimat zurück.

Ob es für mich ein Wiedersehen mit der Alten Försterei geben wird und wenn ja wann, steht in den Sternen. Aber das habe ich auch von einigen anderen gehört. Berlin scheint seinen Reiz, wenn es ihn je gab, verloren zu haben. Zumindest im Zusammenhang mit Fußball. Jetzt gibt es für mich erstmal wieder ein Heimspiel (schon wieder viel zu lange her) und dann geht es nach Bochum. Und ich hoffe, dass das seinen Reiz aus dem Vorjahr behalten hat, damit ich endlich mal wieder ein rundum schönes Auswärtserlebnis habe.

Bis dahin: Allez Braun-weiß Allez

Mehr vom Spiel sahen:

http://grenzenlos1910.com/da-war-mehr-drin/

http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=7851

https://couchgepoebel.wordpress.com/2015/10/18/tourigans-auf-der-suche-nach-dem-verflixten-maulwurf/

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2 Gedanken zu „Nicht verliebt in Berlin – Von Teflon-Rindern und Leisesingern

  1. Pingback: 11.Spieltag (A) – 1.FC Union Berlin | Übersteiger-Blog

  2. Pingback: Mehr hätte es sein können – und doch ist der Punkt bei Union ein starkes Zeichen. #FCSP | KleinerTods FC St. Pauli Blog

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