Von Auftragstorschützen und lebensmüden Tauben

Nachdem Heidenheim aus diversen Gründen (blöde Anreise, schlechtes Wetter, beginnende Krankheit) für mich ausfiel und Paderborn bekanntlich nicht geplant war, ist mein letztes Spiel des FCSP schon gefühlte Lichtjahre her. Entsprechend heiß (um in der Fußballsprache zu bleiben) war ich auf das Spiel in Sandhausen. Ich weiß eh nicht, warum alle Leute sich da immer drüber lustig machen. Mir hat es beim letzten Mal schon gut gefallen und somit habe ich dann auch gleich den Anhang zum Mitfahren verdonnert. Das war auch gut, denn von den sonst üblichen Verdächtigen war kaum jemand da.

Die Anreise war herrlich unkompliziert, von Mannheim mit der S-Bahn nach St. Illgen-Sandhausen und da direkt in den Shuttlebus eingestiegen und zum Stadion gebracht worden. Alles völlig unaufgeregt, was auch an unserer frühen Ankunft liegen könnte. So teilte mir der Kontrolleur am Eingang mit, ich sei die 100 Besucherin. Was sich insofern ganz gut traf, dass wir am Bahnhof Schließfach Nr. 100 hatten. Konnte nur ein gutes Omen sein.

Das hatte die Bezugsgruppe diese Woche auch dringend nötig, weil eines unserer Mitglieder einen Todesfall in der Familie zu beklagen hatte. Ich wünschte mir also nichts sehnlicher als einen Sieg und versuchte das auch Lenny telepathisch zu vermitteln. Daran glauben, dass er sich daran beteiligen würde, wenn ich im Stadion bin, tat ich selbstverständlich nicht. Konnte ich ja nicht ahnen, dass man sich da Tore nicht wünschen muss, sondern bestellen. Ein Auftragstorschütze. Besser als ein Auftragsmörder.

Während sich die Jungs aufwärmten, legte ich dem Begleiter Buchti wärmstens ans Herz, da er ihn noch nicht so oft gesehen hatte und ich ja grundsätzlich viel von ihm halte. Es kam natürlich, wie es kommen musste, Buchti hatte (vorsichtig ausgedrückt) nicht seinen stärksten Tag und ich stand mal wieder wie der Superexperte da.

Zum Spiel von mir wie immer nicht viel: Sandhausen war erschreckend schwach, wir dann doch souverän, ohne überragend Fußball zu spielen. Aber wir haben das Spiel die ganze Zeit im Griff. So gut, dass ich mir in der zweiten Hälfte zwei fangirlsche Auszeiten nehme und noch ein bisschen hache und schmachte, solange ich noch kann.

Ich sagte ja bereits eingangs, dass ich Sandhausen sehr mag. Das liegt irgendwie auch am Stadion. Unten auf der Haupttribüne und Gegengerade noch mit Stehplätzen ausgestattet, die Ultras (heißen die da offiziell überhaupt so?) direkt neben dem Gästeblock und das dann auch noch gefühlt mit einer halben Kapelle ausgestattet. Zumindest den Schlagzeuger hörte man gut. Und in der 1. Halbzeit lag das auch ein bisschen an uns. In der zweiten Hälfte war es dann besser, zumindest meinem subjektiven Empfinden nach. Ich gehöre übrigens auch zu denen, die „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins.“ nicht können. Bräuchte ich ehrlich gesagt auch nicht zwingend im Block, aber ich verspreche zu üben. Was ich auch nicht bräuchte – und das sagte ich im Duisburg-Beitrag schon mal – sind die massiven „Ewald Lienen“ Gesänge. Und wenn man sich seine Reaktion so ansieht, könnte er auch darauf verzichten, jedenfalls in dieser Intensität.

Die Rückreise gestaltete sich ähnlich entspannt wie die Hinreise, nur mit einem längeren Aufenthalt am Bahnhof St. Illgen-Sandhausen, was aber zu verschmerzen war. Da wir alle noch Zeit bis zur Weiterfahrt hatten, suchten wir uns etwas zum hinsetzen, quatschen und essen. Ich natürlich wieder mit dem Rücken zum Geschehen und bekam deshalb auch erst mit einiger Zeitverzögerung mit, dass einige unserer Jungs sich dort ebenfalls was zu essen holten. Ich will ja keine Namen nennen, aber die sehen ja schon alle noch wahnsinnig jung aus. Es wirkte so ein bisschen, als hätte man Sören Gonther als Aufpasser für die lieben Kleinen mitgeschickt. Zu süß! Wenn ich die Jungs so aus der Nähe sehe, verschlimmert sich meine Midlife crisis noch mehr als beim Anblick der Geburtsjahre.

Und da es bis Bochum (warum, wieso, weshalb, dann gleich unten mehr) noch ein weiter Weg war, wollten wir uns noch ein paar (!) Donuts holen. „Die 14er Box ist im Angebot“ hörte ich den Verkäufer sagen und ich – als Schwäbin kann man da einfach nicht anders – nickte mechanisch. Der Abend war jedenfalls gerettet. Außer vielleicht für meinen Freund, der musste nämlich das Bett mit diesem netten Herrn teilen 😉

Der FCSP-Teil der Leser ist ab hier entlassen, darf aber natürlich gerne den zweiten (Kleeblatt-)Teil und das Ende der Donutstory auch genießen.

Nach Bochum ging es nämlich aufgrund des Vereins meines Freundes. Und da ich „angeheiratet“ bin (interessante Art eines Heiratsantrags, aber ja okay, können wir schon machen, wann ist Termin?), fuhr ich natürlich gerne mit.

Nach einem mehr oder weniger gemütlichen Frühstück (ja, zum Teil auch mit Donuts), fuhren wir am Sonntag mit der U-Bahn ins rewirpower-Stadion an der Castroper Straße. Bochum gehört – wie Sandhausen und Frankfurt – zu meinen Lieblingsstadien. Und die Currywurst kann man sich auch mal geben, wenn man schon dort ist. Woran ich mich jedes Mal gewöhnen muss, ist der doch recht überschaubare Anhang der Fürther im Auswärtsblock. Ich tippe auf 300 Leute, wenn man alles zusammennimmt. Dafür aber mit jeder Menge Zaunfahnen, deren Befestigungsmaßnahmen an Free Climbing erinnerten. Für so eine kleine Fangemeinde war aber gut was los im Block. Mir wurde jedenfalls recht schnell klar, warum dieser junge Mann keine Jacke brauchte.

Das Support-Highlight war aber das Einüben eines neuen Lieds. Probiert man ja erst mal auswärts in kleinere Runde. So weit, so gut. Aber dass selbst der Vorsänger in der einen Hand das Megaphone hält und in der anderen einen kleinen Spickzettel mit dem Text, hab ich so auch noch nicht erlebt, hat mich aber doch einigermaßen erheitert.

Da das letzte Spiel der Spielvereinigung parallel zu unserem Spiel gegen Paderborn stattfand, habe ich selbiges nicht gesehen und verließ mich auf die Information des Begleiters, dass „mein“ Robert (eher ein Fangirl-Projekt als ein Fangirl-Objekt) wegen der 5. Gelben gesperrt sei. Das schien Robert aber nicht davon abzuhalten, fröhlich auf dem Platz auf und ab zu rennen. Hä? Kicker App gecheckt, war bereits die 6. und somit war er spielberechtigt. Unverhofft kommt oft. Daher musst das Sorgenkind Gießelmann ohne meine Spezialbetreuung auskommen. Scheint ganz gut geklappt zu haben, jedenfalls hat Gassi in diesem Spiel seinen rechten Fuß (wieder) entdeckt. 1:0 Fürth. Bochum bis kurz vor der Halbzeit auch kaum existent. Aber dann, tja, Terodde. Man sollte ihn eben niemals aus den Augen lassen. Ausgleich kurz vor dem Pausenpfiff. Erinnerte mich stark an den magischen FC. Nach der Pause spielt Bochum endlich auch mit und so geht es munter hin und her. Die einzigen, die das nicht zu stören scheint, ist eine Schar Tauben, die entweder auf dem Rasen sitzt oder auch gerne mal in der Flugbahn des Balles ihre Kreise zieht. Man könnte fast meinen der eine oder die andere legt es auf einen Treffer an. Bisschen lebensmüde, die Guten. Das 2:1 schießt das – nach Gießelmann – zweite Sorgenkinder der Fürther, Veton Berisha. Er erinnert mich immer an John Verhoek. Und ich hoffe, dass dieses Tor im Aufwind geben wird. Würde mich wirklich freuen, der rackert und wühlt da nämlich wie ein Irrer.

Worauf ich ganz gut hätte verzichten können, ist das Ende. Bochums Fans werfen Gegenstände auf Mielitz, der das verständlicherweise weniger lustig findet. Nach einem selten dämlichen Bodycheck fliegt Hoogland mit Gelb-Rot vom Platz, keine 3 Minuten später dreht Gjasula – mal wieder – durch und packt Eisfeld am Kragen. Aus dem Block sah es so aus, als greife er ihm an den Hals, ganz so schlimm war es zwar nicht, aber halt auch typisch Gjasula. Richtig guter Fußballer, mit richtig viel Temperament und viel zu kurzer Zündschnur. Folgerichtig sieht Gjasula rot und weil ihm das immer noch nicht reicht, rempelt er auch noch den Schiedsrichter an. Man darf gespannt sein, wie lange er darüber während seiner nun folgenden Sperre nachdenken darf.

Ein Punkt in Bochum ist sicher nicht schlecht, auch wenn es sich zunächst nach einer Niederlage anfühlte. Nach der Verabschiedung der Mannschaft, sind wir vom Stadion zum Bahnhof zurückgelaufen – dieses Mal sogar in die richtige Richtung. Von dort ging es dann zurück in die Heimat.

Und was soll ich sagen, die Donutgeschichte endete erwartungsgemäß

Doppelfußballwochenenden sind zwar unheimlich anstrengend, aber auch immer ereignisreich, mit der richtigen Begleitung sowieso. Deshalb hier noch mal ein Dankeschön an den Herrn r0hdiamant.

Jetzt genieße ich ein langes Osterwochenende bevor ich mich auf die letzten Spiele dieser Saison freue und – wenn die DFL dann mal soweit ist – diese auch planen kann.

In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal.

Voran magischer FC!             Bianco Verde allez!

 

 

 

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Ein Gedanke zu „Von Auftragstorschützen und lebensmüden Tauben

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