Fernsehgelder, wir brauchen Fernsehgelder

Freiburg. „Der dümmste Gästeblock der Welt.“, wie mir immer wieder mitgeteilt wurde. Aber auch einer der Grounds, die mir noch fehlten. Und: Eine Anreise im TGV! Davon hatte ich mir einiges erwartet. Wie das mit Erwartungen so ist, manche werden enttäuscht, manche erfüllt und manche sogar wiederlegt.

Vom TGV hätte ich mir irgendwie mehr erträumt. Mehr von allem. Komfort, Service etc. Es gab nicht mal WLAN (was ja eh nicht funktioniert hätte, aber egal). Auf Ansagen, warum wir in Ulm 10 und in Stuttgart nochmal 15 Minuten standen, wartete ich auch vergeblich. Aber immerhin hat mir die halbe Stunde Umsteigezeit in Karlsruhe doch gerade noch so gereicht. Ich wurde auch schon von meiner Mitfahrerin erwartet und ab gings nach Freiburg, den Rest der Bezugsgruppe einsammeln. Die hatte sich dann plötzlich und unerwartet um unseren Sportchef (wie heißt das bei uns den nun offiziell?) erweitert. Meggie kam von irgendeiner Spielbeobachtung und plauderte locker-flockig, leider nicht über meinen (noch zu findenden) persönlichen Lenny-Nachfolger, aber über die Fernsehgelderverteilung. Er konnte das alles auswendig runterrattern, ich hab mir nur gemerkt, dass es gut wäre, wenn die Löwen die Klasse hielten und Paderborn abstiege, was auch familiär durchaus Zustimmung finden würde. Außer einem war von uns noch niemand in Freiburg (bei 5 ADK-Inhabern eine unvorstellbare Quote), trotzdem fanden wir uns mit der Straßenbahn schnell zurecht. Den Rest zu Fuß und in der badischen Sonne noch ein Bier vor dem Stadion getrunken, ohne Fantrennung, ohne Theater. Aber Hauptsache der Gästeblock war abgeriegelt wie Fort Knox. Manchmal fragt man sich wirklich.

Und jetzt kommts: Ich finde den Gästeblock gar nicht so doof. Oder anders: Wir hatten wohl einen der besseren Plätze, jedenfalls was die Sicht betraf. Zumindest beide Tore konnte ich sehen. Ob das jetzt Fluch oder Segen war, lasse ich mal dahingestellt. Ansonsten wirkte es, als seien doppelt so viele Karten verkauft worden, wie eigentlich Leute Platz haben. Wir hatten in der zweiten Halbzeit mal wieder fragwürdige Gestalten hinter uns. Wenn man sich vor lauter Alkohol nicht merken kann, wo man stand (und davon ausgeht, dass man Plätze reservieren kann), sollte man nicht die Leute bepöbeln, die schon die ganze Zeit VOR einem standen. Was mich aber WIRKLICH gestört hat am Block bzw. am Stadion ist die Dauerbeschallung. Das Badner Lied war da noch nicht mal das Schlimmste. Es lief von unserer Ankunft bis zur Abreise Musik in einer Lautstärke, die irgendwann ziemlich unangenehm wurde, nur unterbrochen von den zwei Mal 45 Minuten Spiel. Oder vom Stadionsprecher, der – ähnlich wie mein Freund in Leipzig – früher vermutlich auch Animateur in einem Club auf Mallorca war.

Zum Spiel: Ich hatte nichts erwartet. Freiburg ist Tabellenführer, für uns geht es um nichts mehr (außer um die oben erwähnten Fernsehgelder), 2:1 wäre vermutlich mein Tipp gewesen. Dass man dann doch fast noch was mitgenommen hätte, fand ich also gar nicht so verkehrt. Aber was wir für Fehler dabei hatten. Jungs, macht gerne ein Mittagsschläfchen, aber doch nicht um halb zwei am Spieltag. Und dann dieses handballeske um den Sechzehner Rumgespiele. Wie wärs denn mit einfach mal draufhauen. Das machte dann ausgerechnet Alushi, bekanntlich nicht mein bester Freund, aber könnte ja noch was werden, wenn geklärt ist, wo Familie Alushi demnächst kickt. Was mich noch mehr nervt ist das Ballgeschiebe in UNSEREM Strafraum. Ich sterbe immer tausend Tode bis der Ball mal geklärt ist. Und das hat Ewald im letzten  Trainingslager (also im letzten, bei dem ich dabei war) unmissverständlich klar gemacht: „Drescht ihn halt in die Karpaten!“ Wahrscheinlich hätte man den Jungs einen Atlas dazu geben müssen. Auf jeden Fall kann ich da kaum hinsehen. A propos hinsehen: Welcher Vollblinde Lenny zunächst das erste Tor zugeschrieben hat, wüsste ich ja auch gerne. Kann ja gar nicht sein, hätte ja die Statistik verfälscht. Kann man im schönen Badner Land aber natürlich nicht wissen.

Ich ging am Ende eigentlich mit einem ganz guten Gefühl nach Hause. Ach ja, zur Stimmung im Block wollte ich noch was sagen. Vom Freund zuhause wurde nur gemotzt, dass es keine Fahnen gegeben habe und man nichts gehört hätte. Also ich fand uns laut. Von den Freiburgern hab ich außer bei der Hymne, die da auch noch zwei Mal läuft, nichts mitbekommen. Was natürlich nichts heißt, aber ich möchte behaupten, dass der Auswärtsmob einen guten Tag hatte. Könnte man sich am Millerntor eine Scheibe abschneiden, aber das hatten wir ja letztes Mal bereits.

Es ging zurück zum Bahnhof, wo sogar noch Zeit für einen Eisbecher und nette Gespräche blieb, ehe es zurück ging. Dieses Mal im ICE. Mit verschlossenem Wagen 14. Und wo hatte ich reserviert? Genau. WLAN? Braucht doch keiner oder? Umsteigen in Mannheim, geänderte Wagenreihung und bis Stuttgart erneut kein WLAN. Die Zugfahrten waren nicht so wirklich das Gelbe vom Ei, dafür hat mir der Trip richtig Spaß gemacht und ich habe mein letztes richtiges Auswärtsspiel für diese Saison (Düsseldorf fällt aus, Nürnberg ist für mich nicht wirklich auswärts) sehr genossen.

Nächstes Wochenende hab ich ein Doppelfußballwochenende mit jeweils Heimspiel vor mir, mal sehen, ob es da was zu berichten gibt.

Den 4. Platz brauchen wir übrigens dringend – wegen der Fernsehgelder. Und ich hätte gerne noch ein Lenny-Tor. Für die Statistik. Zwei Fliegen, eine Klappe.

Forza Sankt Pauli!

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2 Gedanken zu „Fernsehgelder, wir brauchen Fernsehgelder

  1. Pingback: Erfolgreich geht anders – #FCSP unterliegt in Freiburg und die U23 daheim. | KleinerTods FC St. Pauli Blog

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