The long goodbye

Dieser Beitrag wird der Persönlichste, den ich je geschrieben habe. Und es wird ein Abschied. Mein Abschied. Von „meinem“ Jungen. Dreieinhalb Jahre habe ich alles mitgemacht (inklusive Verletzungen, 4 Tore Spielen und Mallorca-Eskapaden) und jetzt lässt er mich hier sitzen und fühlt sich zu Höherem berufen (wenn Werder es denn dann hinbekommt die Klasse zu halten).

Eigentlich wusste ich es schon zu Saisonbeginn. Der Vertrag lief aus und irgendwie war mir klar, dass das sein letztes Jahr in braun-weiß werden würde. Als dann die Gerüchte um Werder Bremen aufkamen, war es logisch. Sein Herzensverein. Dort ist er fußballerisch aufgewachsen, dort hat er schon mal (kurzzeitig) Bundesligaluft schnuppern dürfen. Wir hatten ab da keine Chance mehr ihn zu halten. Schon gar nicht nach dem Düsseldorf Spiel. Ich war nicht im Stadion. Wer unsere gemeinsame Statistik kennt, weiß, dass das auch besser so war. Danach hab ich angefangen, Abschied zu nehmen, noch ein Trikot beflocken zu lassen und jedes Spiel zu genießen. Was nicht heißt, dass ich nicht weiterhin motze. Es gibt Tage, da treibt er mich fast in den Wahnsinn. Und trotzdem kann ich ihm nicht böse sein. Niemals würden mir Worte wie „Verräter“ oder „Söldner“ in den Sinn kommen. Fußballer wechseln nun mal den Verein. Und natürlich wechseln sie in die Bundesliga oder ins Ausland um mehr Geld zu verdienen. Macht ihr das in eurem Job nicht auch so? „Aber der wird sich in der Bundesliga niemals durchsetzen.“ Ja und? Es ist sein Leben, seine Entscheidung und die haben wir alle zu respektieren.

Auch wenn es mir manchmal das Herz bricht. Mal mehr, mal weniger, aber es ist nicht so einfach wie es aussieht. Fast 4 „gemeinsame“ Jahre ist doch recht lange. Und so sehr ich mich für ihn freue und es nachvollziehen kann, so sehr tut es mir weh. Der Abschied auf Raten fällt mir unheimlich schwer und da werden noch viele Tränen fließen bis zum 15. Mai. Und wenn wir ehrlich sind auch danach.

Aber wie kam es eigentlich dazu, dass ich jetzt hier sitze und Abschied nehme, von einem Kerl mit dem ich (wenn es hoch kommt) 10 Sätze gewechselt habe? Dazu muss man wissen, dass ich generell ein Typ bin, der auf Lieblingsspieler „abfährt“. Wobei die Sportart da egal ist. In meiner „Sammlung“ finden sich Fußballer, Skispringer, Rennfahrer, Snooker-Spieler, Skifahrer, Radfahrer, etc. Könnte ich von meiner Mama haben, die eine ähnliche Sammlung pflegt, wenn auch mit völlig anderen Typen. Mein Lieblingsspieler beim FCSP war in meiner ersten „aktiven“ Saison Daniel Ginczek. Und da klar war, dass er uns nach dem einen Jahr Leihe wieder verlassen würde, brauchte ich „Ersatz“. Da hat sich Lenny quasi angeboten. Denn bei Fußballern „wildere“ ich eher in der Offensivabteilung. Und – auch das Kriterium erfüllt(e) Lenny leider – ich nehme gerne die Ungeliebten. Wer nicht weiß, was ich meine, kann gerne den Faden im Forum lesen, ich hab das aus Selbstschutz irgendwann aufgegeben. Lange Rede, kurzer Sinn: Lenny wurde kurzerhand zu „meinem“ Jungen erklärt und fortan gegen sämtliche böse Reden verteidigt. Immer schön durch die rosarote Brille. Und doch gibt es vermutlich kein kritischeres Fangirl als mich. Denn ich will, dass meine Jungs es allen zeigen. Bei Lenny hat das wirklich lange gedauert und mich öfter Nerven und Stimme gekostet, aber am Schluss bekommt er – hoffentlich – die Chance es in der Bundesliga zu versuchen. Ich bin zugegebenermaßen auch skeptisch, aber er hat mich des Öfteren überrascht, warum sollte er es also nicht wieder tun?

Für mich wäre ein Wechsel in der Winterpause dennoch einfacher gewesen. So wird es von Tag zu Tag schlimmer. Jeden Abend der Blick auf seine Trikots, die an meiner Schlafzimmerwand hängen. Und morgens im Büro lächelt dich der Kerl vom Desktophintergrund an. „Geh weg und lass mich in Ruhe“, möchte ich ihn anknurren, aber dann fällt mir ein, dass er genau das demnächst tun wird. Also dann doch lieber weiter angelächelt werden.

Und eigentlich noch an 3 Spieltagen Abschied nehmen. Auf Raten. Aber er ist verletzt. Daher ist meine größte Sorge momentan, ihn nie wieder im Trikot des magischen FCs spielen zu sehen. Dennoch habe ich noch einen (wahrscheinlich aus mehreren Gründen realitätsfernen) Wunsch: Ein Tor, wenn ich anwesend bin. Nur ein klitzekleines.

Irgendwie werde ich den 15. Mai schon überstehen. Und ins Weserstadion wollte  ich eh mal wieder. So schnell wird Lenny mich nicht los.

Jetzt bleibt mir nur zu sagen: Danke Lenny für 4 wunderbare, komplizierte, tränenreiche, freudestrahlende und stolze Jahre. Machs gut und vergiss nicht, was du bei uns gelernt hast, weder auf noch neben dem Platz.

You’ll never walk alone, mein Junge!

 

 

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3 Gedanken zu „The long goodbye

  1. Frittenbuddhist

    Hey, wertes Fangirl… wie Du weißt, waren uns ja lange nicht so wirklich einig, wie man den Fußballer Lenny einschätzen soll. Ich könnte nun versuchen, mich rauszuwinden (Wer wollte ihn auf die 6 packen? ;)), aber unterm Strich bleibt festzuhalten: Du hattest recht und ich nicht. Er ist für mich ein gutes Beispiel, dass ich vorsichtig bei der Beurteilung von jungen Spielern sein muss… einige brauchen eben etwas Anlaufzeit.

    Ob es für die erste Liga wirklich reicht? Wer weiß das schon, ich habe da zwar (auch aufgrund der großen Konkurrenz im Werder-Sturm) so meine Zweifel, aber für die zweite Liga ist Lenny ein guter Stürmer und ich hätte ihn gerne noch (mindestens) eins, zwei Jahre hier gesehen. Du wirst sicherlich zustimmen, dass er durchaus noch ein paar mehr Tore machen dürfte, aber man muss ihm zugute halten, dass das aktuelle System keine Chancen am Fließband produziert, Stürmer also relativ wenig Möglichkeiten zum Glänzen haben. Ich hätte ja gerne gesehen, wie sich Budimir diese Saison gemacht hätte, aber egal, das ist ein anderes Thema. Lenny hat sicherlich noch Verbesserungspotential in Sachen Spielverständnis, Passgenauigkeit und noch ein paar anderen Dingen (nicht, dass er irgendwo wirklich schlecht wäre, aber er ist da halt eher solide als herausragend), in zwei Bereichen ist er jedoch wirklich Spitze: Zum einen das Ablaufen des Gegners, bzw die Rolle des „ersten Verteidigers“ und zum anderen seine Fähigkeit, den Ball in der Box zu halten und sich dann blitzschnell um Gegner und die eigene Achse Richtung Tor zu drehen. Da macht ihm zumindest in der zweiten Liga keiner etwas vor. Und klar, das muss ich einem Lenny-Fangirl nicht sagen, es sei aber trotzdem nochmal festgehalten.

    Von daher ist es nicht verwunderlich, dass Werder die Chance genutzt hat und den verlorenen Sohn nach Hause holte. Auch wenn die Verteidiger der ersten Liga natürlich nochmal ein ganz anderer Schnack sind: Wenn es bspw. darum geht eine 1-0 Führung über die letzten 20 Minuten über die Zeit zu bringen, kann er mit Sicherheit auch in der Bundesliga schon jetzt auf Anhieb weiterhelfen. Zumal ja auch die Rahmenbedingungen stimmen… Er kostet keine Ablöse und im Verhältnis dürfte Lenny das Gehaltsbudget nicht allzu sehr belasten, zudem hat er noch ein paar Jahre seiner Profifußballkarriere vor sich, es ist also noch Entwicklungspotential vorhanden. Und Lenny wiederum kann sich in seinem „Heimatverein“ nochmal beweisen, der zudem selbst in der zweiten Liga zumindest kurz- und wohl auch mittelfristig die (wesentlich?) bessere sportliche Perspektive aufweist, von finanziellen Aspekten ganz zu schweigen (kein Vorwurf!). Ne Ablöse wäre natürlich schön gewesen, aber es ist, wie es ist… der Wechsel ist für beide Seiten vollkommen nachvollziehbar. Dass mir sein neuer Verein eh sympathisch ist, macht es natürlich wesentlich einfacher hier gnädig zu sein.

    Also Lenny, alles Gute und Danke für die starke Schlussphase in der letzten Saison! Ich drücke Dir die Daumen, dass es nächstes Jahr Liga 1 ist, aber auch wenn wir uns am Millerntor wiedersehen sollten, gibt es keine negative Gedanken. Nur die drei Punkte… nech?! Is klar.

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    1. jessi1594 Autor

      Lieber Frittenbuddhist, wir sind uns einig, das ist ja kaum zu glauben 😉

      Dass dein Kommentar fast so lange ist, wie mein Beitrag und du dabei sämtliche Lenny-Vorteile aufzählst, ist aber das weit größere Kompliment.

      Ob es für die 1. Liga reicht? Ich weiß es nicht, aber man wächst ja vielleicht mit seinen Aufgaben. Wenn es überhaupt soweit kommt. Und wenn nicht, wird sich im Zweifelsfall sicher wieder ein Plätzchen in der Zweiten Liga finden. Vielleicht brauchen wir bis dahin ja auch zufällig gerade einen Stürmer. Oder zur Not halt einen Linksverteidiger 😉

      Für Werder habe ich auch durchaus Sympathien und über Umwege inzwischen auch Kontakte, so dass es tatsächlich der zweitbeste Verein nach dem FCSP ist. Und sollte es zu einem Wiedersehen am Millerntor kommen, stünde ich wie immer auf der Gegengerade – mit dem Thy-Trikot und dem Wunsch nach einem Lenny-Tor, aber natürlich trotzdem einem Heimsieg. So ein 4:3 wäre doch genau das Richtige 🙂

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  2. Pingback: Viele letzte Male oder auch „Das war’s!“ | Fangirl 1910

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