Viele letzte Male oder auch „Das war’s!“

So viele letzte Male. Vorläufige und endgültige, freiwillige und unfreiwillige. Aber bevor wir zum emotionalen Teil dieses Beitrags kommen, fangen wir mit den Fakten an:

Ich hab mal wieder kaum geschlafen in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Nicht wegen der Aufregung, sondern aus Angst den Zug zu verpassen. Hab ich aber nicht. Und der war sogar pünktlich, wenn auch aufgrund der Pfingstferien randvoll. Dafür gab es persönlichen Abholservice und Begleitung zum Hotel. Und während der Rest vor der Gegengerade stand, genossen der Herr Wombat und ich das erste Bier des Tages ganz gemütlich im Hotelzimmer. Diese Pauli-Eventfans werden halt auch immer dekadenter. Trotzdem hat es noch für ein kurzes Treffen mit der Bezugsgruppe gereicht. Danach gings ab ins Stadion, wo erstmal festgestellt wurde, dass es kein Glitzerkonfetti gab. Normalerweise beschweren wir uns ja immer, wenn es welches gibt, aber so zum Saisonausklang. Tja, wie man es macht, macht man es verkehrt. Wir hätten aber eh keine Hand frei gehabt, da es ja eine Geburtstagschoreo gab. Die hätte allerdings ein bisschen besser organisiert sein dürfen. Denn zwei Minuten vor Einlaufen die Zettel erst zu verteilen, war eher knapp bemessen. Dafür wurde aus denen später wunderschöne Rasenkunst. Die Interpretation überlasse ich euch selbst.

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Davor gab es noch die Spielerverabschiedung, für die mir extra 3 Packungen Taschentücher gereicht wurden. Ich hab kein einziges gebraucht, denn was mein Highlight hätte werden sollen, war gelinde gesagt der Tiefpunkt des ganzen Tages. Diese Verabschiedung war eine Frechheit! Und zwar für alle 7 Jungs. Nicht nur, dass die Verabschiedung von Yannick Deichmann, Andrej Startsev und Okan Kurt völlig ohne Ankündigung erfolgte, sie war dermaßen lieblos, dass ich mich frage, wer das verbrochen hat. Es klang wie „aus dem Kicker Sonderheft“ abgelesen (Danke Richard für dieses treffende Zitat). Keine persönliche Geschichte, kein Wort zu viel. Ich hätte zu jedem spontan 3 persönlichere Sätze sagen können, als bei der Verabschiedung gefallen sind. Somit blieben meine Augen trocken, dafür war der Hals dick.

Somit vergaß ich gleich mit Spielbeginn die 10 Minuten Regel (die ersten 10 Minuten jeder Halbzeit darf ich Lenny nicht anmotzen). Aber da der Erfinder dieser Regel gleich neben mir stand, durfte ich beim letzten Spiel 90 Minuten „alles geben“. Ich hatte kaum den Mund wieder zu, da klingelte es. Leider auf der falschen Seite. Auf Twitter hatte ich kurz vorher noch eine Statistik gelesen, dass wir nach Rückstand quasi nie gewinnen. Das läuft heute ja richtig gut, dachte ich. Bis Ryo Miyaichi sozusagen postwendend ausglich. Habt ihr euch auch gefragt, was gewesen wäre, wenn er die ganze Saison hätte spielen können? Nicht auszudenken. Hätte, hätte, Fahrradkette. Die Partie war jedenfalls ein munteres Spielchen, ein würdiges Saisonabschlussspiel. Und dann kam mein persönliches Highlight doch noch: Ein Lenny-Tor! Wenn ich im Stadion bin. Hatte ich mir im letzten Beitrag ja gewünscht und manchmal (viel zu selten!) hört er ja auf mich. Ich hab mich gefreut und war auch ein bisschen stolz, aber für Taschentücher war trotzdem kein Bedarf. Überhaupt war es ein Spiel in dem ich absolut Spaß hatte. 7 Tore sehe ich ja auch eher selten. Und was für Besondere: Das schöne zweite Tor von Ryo, das reingestolperte Abschiedstor von Basti Maier und das letzte von Buchti. Kann es sein, dass der immer im letzten Spiel noch einmal trifft? Endstand jedenfalls 5:2. Ein Abwärtstrend wie der magischefc hier feststellt:

Und dann kam die Schlussrunde. Und auch das hat mich nicht überzeugt. Die Mannschaft eingepfercht zwischen hunderten Menschen (Wer waren die eigentlich? Hätte man gerne mal erzählen dürfen) hinter dem Banner, welches auch nicht jedermanns Geschmack war. Ich fands lustig, die Bezugsgruppe ließ es eher achselzuckend zurück. Auch nach der Google-Suche und der Info, dass es ein Zitat von Horst Hrubesch war. Insgesamt war mir das alles zu kühl und unemotional und ich bin absolut froh, dass ich mich vor zwei Wochen beim Training persönlich von Lenny verabschiedt habe. Inklusive Autogramm, Lächeln und drei zusammenhängenden Sätzen. Sowohl von mir, als auch von ihm. Das war für mich der Abschied und nicht am Sonntag im Stadion. Zum Glück, denn wie gesagt, das fand ich einfach nur schrecklich.

Danach wie immer Domschänke und anschließend Essen. Mit so vielen Leuten gar nicht so einfach. Zu meinem geliebten Inder, den ich nur angeschickert aussprechen kann, wollten wir dieses Mal nicht und so liefen wir etwas ziellos durchs Viertel und verwirrten damit den noch zurückgebliebenen Rest bzw. deren Informant. Am Schluss landeten wir beim Italiener, der Gabi doch tatsächlich ein Mineralwasser statt einem Bier andrehen wollte. Nach diesem Fauxpas wurde es aber doch noch ein runder Abend bei dem schon wieder über die neue Saison gefachsimpelt wurde.

Nach einem Absacker bei Brigitte (um genau zu sein vor der Tür von Brigitte), landeten der Wombat und ich wieder dort, wo der Tag angefangen hatte: Im Hotel. Dieses Mal gab es Kaffee und Schokolade bevor er mit dem Bus nach Hause fuhr und ich selig in die Matratze fuhr um am nächsten Tag wieder nach München zu fahren, wo es – natürlich – regnete. Wie eigentlich immer, wenn ich aus Hamburg komme. Vermutlich um mir den Abschied nicht so schwer zu machen.

Um den Faden von oben zum Thema „letzte Male“ noch Mal aufzugreifen: Es war für mich bis August (voraussichtlich) die letzte Fahrt nach Hamburg, das letzte Spiel der Saison, das letzte Mal Bezugsgruppe (schnief), das letzte Mal Lenny beim Aufwärmen zu sehen, das letzte Mal sein Trikot tragen. Heute selbiges das letzte Mal waschen, bevor es für länger (ein Jahr „Trauerzeit“ scheint mir angemessen) in den Schrank wandert. Das letzte Tor in braun-weiß.

Aber dafür wird es ab August unzählige erste Male geben. Darauf freue ich mich. Aber jetzt hab ich erstmal über 2 Monate Pause. Und zwar verdient wie ich finde.

Kommt gut durch den Sommer.

Bis zur neuen Saison

Forza Sankt Pauli

Noch einen kleinen Nachtrag für die Statistik Freunde unter euch:

Persönliche Saisonstatistik:

27 Spiele insgesamt, davon 20 FCSP-Spiele, 11 zuhause und 9 auswärts

12 Siege, 5 Unentschieden, 10 Niederlagen

Zuhause: 6 Siege, 2 Unentschieden, 3 Niederlagen

Auswärts: 3 Siege, 2 Unentschieden, 4 Niederlagen

Persönliche Lenny-Statistik:

107 Liga-Spiele, davon 50 unter meiner Aufsicht

18 Tore, davon immerhin 8 während meiner Anwesenheit

10 Assists, davon 8, wenn ich im Stadion war

 

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Ein Gedanke zu „Viele letzte Male oder auch „Das war’s!“

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