Archiv für den Monat Oktober 2016

Ohne Worte

Zunächst: Ihr habt lange nichts mehr von mir gehört. Das liegt daran, dass mich mein Privatleben in letzter Zeit sehr auf Trab hält und einige (positive) Veränderungen anstehen. Deshalb war schon vor der Saison klar, dass ich meine Auswärtsdauerkarte abgeben und nur zu ausgewählten Spielen fahren würde. Dass es dann bis zum heutigen Tage nur zwei (!) sind, ist auch dem Spielplan geschuldet.

Aber wo ich unbedingt hin wollte, ist Sandhausen. Für mich ist das eines der Highlights der Saison, wobei ich nicht mal genau sagen kann, woher das kommt. Dass die Anreise super bequem und für meine Verhältnisse auch kurz ist, hat sicher auch einen Anteil, aber auch dieses provinziell-beschauliche finde ich einfach nett. Und so machte ich mich auf nach Mannheim, wo ich Teil 1 der Bezugsgruppe und meine Karte einsammelte und wo wir ganz zufällig auch Teil 2 der Bezugsgruppe in die Arme liefen. Wozu sich verabreden, wenn es so viel besser klappt? Am Bahnhof in die bereitgestellten Busse eingestiegen und ganz entspannt zum Stadion gefahren worden. Ohne nennenswerte Polizeipräsenz. Muss man auch mal hervorheben. Und weil ich mich so auf das erste Auswärtsspiel seit ewigen Zeiten gefreut habe, sind wir dann auch zeitnah ins Stadion. Über einen kurzen Umweg zum Essensstand. Die Verkäuferin war etwas verpeilt: Der junge Mann vor mir wurde schon gefragt, ob er Pommes mit Pommes wolle. Mit Mayo, ja. So fragte sie mich anschließend ob ich die Wurst mit ähm… und dann kam erst mal nichts. Mit Senf. Genau, das gelbe Zeugs da. Die Lacher hatte sie jedenfalls auf ihrer Seite. Aber jeder wurde versorgt und wir gingen gestärkt in den Block, wo wir zufällig Teil 3 der Bezugsgruppe trafen. Spätestens jetzt hätte uns klar sein müssen, dass dieses Glück bald erschöpft sein müsste, aber ich war immer noch frohen Mutes, weil ich endlich wieder mal ein Stadion von innen sehen durfte. Die wichtigste Nachricht kam von daheim: Boll spielt wieder! Ach nee, doch nicht. Avevor spielt mit der Nr. 17, weil seine eigenen Trikots den weiten und beschwerlichen Weg nach Sandhausen nicht antreten wollten. Einmal mit Profis…

Das Spiel beginnt und es ist noch grausamer als ich es mir vorgestellt habe. Dazu sei gesagt, dass ich es in letzter Zeit auch nicht immer geschafft habe, am Fernseher dem magischen FC beizuwohnen. Ich hatte keinen Zauberfußball erwartet, aber dass es so schlimm ist… Der ballführende Spieler ist bei uns die ärmste Sau. Denn er will ihn schnellstmöglich loswerden und kein anderer will ihn haben. Spielt er doch einen Pass, landet er mit großer Wahrscheinlichkeit entweder beim Gegner oder im Nirgendwo. Die Spieler sind hochgradig verunsichert und bekommen – Verzeihung – nichts auf die Reihe. Man hat das Gefühl, die sehen sich gerade alle zum ersten Mal. So schenken wir uns dann auch die Gegentore quasi selbst ein und es ist wie immer Robin Himmelmann zu verdanken, dass es nicht noch mehr werden. Überhaupt ist er der einzige, der Normalform erreicht. Was ist mit den anderen los? Kann man von Mai bis August so das Fußballspielen verlernen? Sind die alle geblitzdingst worden? Ich kann es mir nicht erklären und die Umstehenden ebenso wenig. Die Körpersprache nach dem 0:1 spricht Bände, dass Schnecke und Lasse sich nach dem 0:2 über den halben Platz anschreien, ist immerhin mal eine Reaktion.

Die kommt auch von USP. In der Halbzeit gibt es die Ansage, dass sie den Support einstellen, wenn von der Mannschaft nichts kommt. Sie wollen ein Zeichen setzen, einen Impuls geben. Und das mittenhinein in unsere Diskussion, was man machen könnte, wenn man nicht – wie üblich – den Trainer entlassen möchte. Die Vorschläge reichen, von Essen gehen, Minigolf bis hin zu Videoanalyse von Rosamunde Pilcher Filmen. Oder so ähnlich. Mir ist es eigentlich ziemlich egal, was sie machen, aber so kann es nicht weitergehen auf dem Platz. Das ist keine Mannschaft, sondern 11 Jungs, von denen irgendwie jeder mit sich selbst beschäftigt zu sein scheint. Deshalb ist das mit dem Support einstellen so eine Sache. Ich kann es immer verstehen, wenn eine Mannschaft nicht will bzw. nicht das zeigt was sie kann. Ich befürchte aber einfach, unsere Jungs KÖNNEN es momentan wirklich nicht besser. USP macht jedenfalls zur 60. Minute Feierabend und man sieht der Mannschaft und Ewald an, wie hart sie das trifft, als sie vor den fast leeren Block treten.

Und weil es nicht schlimm genug ist, humpelt Schnecke am Bahnhof auf Krücken an uns vorbei. Sein Lächeln auf unser synchron-entsetztes „Scheiße“, kann ich beim besten Willen nicht als aufmunternd, sondern eher als gequält bezeichnen. Ein weiterer Ausfall scheint wahrscheinlich. Wobei – und das meine ich nicht böse – du gerade aufstellen kannst, wen du willst, es klappt nicht.

Während ich vor 2 Jahren zu diesem Zeitpunkt keinerlei Angst um den Klassenerhalt hatte, sieht das dieses Mal leider ganz anders aus. Damals brachte der Trainerwechsel hin zu Ewald die Wende und ich hoffe, dass wir dieses Mal die Wende mit Ewald schaffen.

Leider kommt die Fortuna – die ja gerne mal die Wende bei uns einläutet – erst Mitte November zu uns. Aber da bin ich auch wieder da. Und da der bisher einzige Sieg auch mein einziges Heimspiel war, bin ich einfach vorsichtig optimistisch.

Denn ganz egal, was auch geschieht…

 

Es schrieben schon (jaja, setzt mich ruhig unter Druck. Ich mag das):

Umdichten

https://couchgepoebel.wordpress.com/2016/10/23/es-ist-an-der-zeit-schreiend-im-kreis-zu-rennen/